Was unterscheidet Julia Klöckner von Norbert Himmler?
Die Bundestagspräsidentin schaut öffentlich-rechtliches Fernsehen, der ZDF-Intendant offenbar nicht.
Nur so lässt sich die diametral unterschiedliche Einschätzung des ÖRR erklären, die die beiden am Wochenende zu Protokoll gegeben haben.
Klöckner kritisierte, wie resistent ARD und ZDF gegenüber Kritik seien. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse sich Fragen stellen lassen – «nach der Effizienz, der Neutralität, der Ausgewogenheit».
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Damit sagte sie zwar nicht, dass sie die Sender für ineffizient, subjektiv und unausgewogen halte. Aber für die Spitzenvertreterin einer Staatspartei war das schon recht harsch.
Wie recht sie hatte, bewies ZDF-Boss Himmler. «Ich kann nicht pauschal erkennen, dass weite Flächen unseres Programms einseitig seien», verteidigte er sich. Es stimme auch nicht, dass man befangen sei, mal abgesehen von einzelnen sprachlichen «Ausrutschern». Er verstehe die Skepsis am ÖRR überhaupt nicht.
Wie gesagt: Würde er die Sendungen verfolgen, hätte er bemerkt, dass Deutschlands grösste Oppositionspartei praktisch nur als Nazi vorkommt, Donald Trump pauschal ein Nazi ist, und der Nazi Putin die demokratische Lichtgestalt Selenskyj attackiert.
Letztlich aber fanden Klöckner und Himmler zusammen. Beide dachten an sich selbst. Der Intendant will einen höheren Zwangsbeitrag, die Parlamentschefin mehr Liveübertragungen aus dem Bundestag.
An den Zuschauer wurde kein Gedanke verschwendet.