Mehrere Golfstaaten prüfen neue Pipelines, um ihre Öl- und Gasexporte künftig an der Strasse von Hormus vorbei zu leiten. Dies berichtet die Financial Times. Hintergrund ist die wachsende Sorge vor einer möglichen Kontrolle der Meerenge durch den Iran und damit verbundene Risiken für den Energiehandel.
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Als Beispiel gilt die bestehende Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens, die täglich rund 7 Millionen Barrel Öl zum Rotmeerhafen Yanbu transportiert und die Strasse von Hormus umgeht. Aramco-Chef Amin Nasser bezeichnete sie als «Hauptweg, den wir derzeit nutzen». Saudi-Arabien prüft demnach eine Erweiterung der Kapazität oder den Bau zusätzlicher Leitungen.
Auch andere Optionen stehen zur Diskussion. Dazu zählen regionale Pipeline-Netze sowie internationale Korridore, etwa ein Projekt zwischen Indien, dem Golf und Europa. Solche Vorhaben gelten jedoch als teuer, politisch komplex und sicherheitstechnisch riskant. Schätzungen zufolge könnten neue Leitungen je nach Strecke zwischen 5 und 20 Milliarden Dollar kosten.
Neben finanziellen Hürden bestehen erhebliche Sicherheitsrisiken, etwa durch instabile Regionen oder militante Gruppen. Auch politische Fragen zur Kontrolle und zum Betrieb der Infrastruktur gelten als ungeklärt.
Kurzfristig erscheinen laut Analysten vor allem der Ausbau bestehender Leitungen in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten realistisch. Langfristig könnten neue Pipelines Teil umfassender Handelsrouten werden, die neben Energie auch andere Güter transportieren.