Orange-Chefin Christel Heydemann sieht «keinen Investitionsanreiz» mehr in Europa und will das Wachstum ihres Konzerns künftig vor allem im Nahen Osten und in Afrika suchen. Der Financial Times sagte die Chefin des französischen Telekommunikations-Unternehmens: «Unsere digitale Infrastruktur ist so entscheidend, dass wir einen Rahmen schaffen sollten, der Investitionen Anreize bietet. Heute gibt es keinen Anreiz für Investitionen.»
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Der in Paris ansässige Konzern kündigte an, seine Investitionen in Europa zurückzufahren. Nach dem weitgehenden Ausbau der Glasfasernetze sei das Wachstum begrenzt. Bis 2028 will Orange seine derzeit 340 Millionen Kunden um weitere 40 Millionen Mobilfunk- und Breitbandabonnenten erhöhen. «90 Prozent davon werden aus dem Nahen Osten und aus Afrika kommen», sagte Heydemann. In achtzehn Ländern dieser Regionen erzielte Orange zuletzt 8,4 Milliarden Euro Umsatz.
Hintergrund der Kritik ist die Regulierungspolitik der EU. Brüssel hatte unlängst darauf verzichtet, grosse Technologiekonzerne an den Netzkosten zu beteiligen. Zudem blockiert die Wettbewerbspolitik regelmässig Fusionen.
Die Branche moniert laut der Financial Times, Europa verliere dadurch an Schlagkraft. Laut dem Branchenverband Connect Europe gibt es in Europa mehr als 44 Mobilfunkanbieter mit über 500.000 Kunden, in den USA sind es acht, in China vier. Die Investitionen sinken: 2024 lagen die Telekom-Kapitalausgaben bei 64,6 Milliarden Euro – das zweite Minus in Folge nach 67,1 Milliarden Euro 2022.
Orange erwartet bis 2028 einen organischen Cashflow von 5,2 Milliarden Euro, nach 3,65 Milliarden im Jahr 2025. Zugleich prüft der Konzern weitere Zukäufe, unter anderem Teile des französischen Rivalen SFR. Umfangreiche Stellenstreichungen schloss Heydemann aus. Man reduziere die Belegschaft «step by step», etwa über Frühpensionierungen.