In Amerika ein Riesending, in Europa weniger stark wahrgenommen, erhält der Film «Sinners» sechzehn Oscar-Nominationen. Rekord – sogar «Titanic» bekam weniger.
«Sinners», der hierzulande im Frühling mit dem Titel «Blood & Sinners» ins Kino kam, spielt an einem Tag im Jahr 1932. Die schwarzen Zwillinge Elijah und Elias kehren aus Chicago in ihre Heimat zurück und machen ein Blueslokal auf. Während der Eröffnungsfeier wird die afroamerikanische Gästeschar von weissen Vampiren heimgesucht. Die Gebissenen verwandeln sich in unterwürfige, angepasste, gleichgeschaltete Zombies.
Warner Bros. Pictures via AP
Kulturkritiker nennen es einen «historischen Horrorfilm». «Sinners» spielt in der von der Rassentrennung geprägten schwarzen Gemeinde Clarksdale, Mississippi. Die Hauptrolle spielt Michael B. Jordan, Regie führte Ryan Coogler – beide bekannt von den «Rocky»-Spin-offs «Creed» und der Marvel-Comic-Verfilmung «Black Panther». Die Weissen im Film sind entweder Ku-Klux-Klan-Mitglieder oder eben die als Musiker mit Vorliebe für irische Klänge getarnten Vampire.
Der Film war ein kommerzieller Erfolg. Er kostete 90 Millionen Dollar und spielte knapp 370 Millionen Dollar ein. Die Berichte in den US-Leitmedien machten einen überschwänglichen Eindruck. Der Grundton gab der Kritiker des New Yorker vor. Er schrieb, der Regisseur nutze «das symbolische Potenzial des Vampirismus, um eine Geschichte über Ausbeutung und schwarze Musik im Mississippi der 1930er Jahre zu erzählen».
Wenn man die Rezensionen genau las, schien «Sinners» dennoch nicht restlos zu überzeugen. Von einem Meisterwerk sprach man nicht. Deswegen ist der Oscar-Nominationsrekord – darunter befinden sich auch die wichtigsten Kategorien, «Bester Film», «Beste Regie», «Bester Hauptdarsteller», «Bestes Drehbuch», überraschend. Politische Korrektheit scheint bei den Academy-Mitgliedern im Vordergrund zu stehen.
Bisher wagte es bloss ein Kritiker eines amerikanischen Traditionsmediums mit «Sinners» hart ins Gericht zu gehen: Armond White, selber Afroamerikaner, nannte den Film in der National Review eine «ethnische Ketzerei» und, dass er «eine unreife kulturelle Wertschätzung» offenbare.
Die Oscarverleihungen finden am 15. März in Los Angeles statt.