Der 45-jährige Oppositionsführer rangiert in den Umfragen nah bei Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Als Chef der Tisza-Partei will er den langjährigen Ministerpräsidenten bei den ungarischen Parlamentswahlen am 12. April beerben. Doch ist die Wahl noch völlig offen, der Wahlkampf turbulent.
Der Kandidat betrat im Februar 2024 die politische Bühne, als die Staatspräsidentin wegen einer Begnadigung zurücktreten musste. Im Juni 2024 erhielt Magyar mit seiner Tisza-Partei fast 30 Prozent der Wählerstimmen und zog mit sieben Mandataren in das Europaparlament ein. Trotz anderslautender Versprechungen zog es ihn nach Strassburg und Brüssel. Er trat der Fraktion der Europäischen Volkspartei bei. Deren Chef Manfred Weber ist dabei sein grösster Verbündeter. Dieser gab die kräftige Parole aus: «Viktor Orbán must go.»
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In Ungarn selbst wird auf die Person von Péter Magyar sehr kontrovers geblickt. Noch vor seinem politischen Aufstieg nahm er heimlich ein Privatgespräch mit seiner vormaligen Ehefrau, der damaligen Justizministerin Judit Varga, auf, um sie mit dem Inhalt mutmasslich zu erpressen. Dort erzählte Varga von einem unbewiesenen Korruptionsfall, in dem angeblich einzelne Regierungsmitglieder involviert gewesen sein könnten. Erwiesen war aber nichts. Da diese Erpressungsversuche nicht fruchteten, veröffentlichte er die Tonaufnahme, doch die gross angekündigte Enthüllung blieb aus. Zugleich liess Varga Einblicke in ihr Privatleben zu: Magyar habe sie bedroht, Vorwürfe häuslicher Gewalt stehen seitdem im Raum.
Der dreifache Familienvater gilt auch nach Aussagen seiner Weggefährten als leicht reizbar, erratisch, unbeherrscht bis latent aggressiv. Bei jungen Leuten kommt er auf den ersten Blick gut an: jung, dynamisch, sportlich, eloquent im Auftreten. Kennt man ihn näher, hat man einen kritischeren Blick. Eine Ex-Freundin berichtete von ähnlich angsteinflössenden und aggressiven Verhaltensweisen des Politikers. Nach dem Erfolg bei den Europawahlen feierte Magyar zudem mit Anhängern in einer berühmt-berüchtigten Disco. Hier soll er so ostentativ mit jungen Frauen geflirtet haben, dass er des Ortes verwiesen wurde. Einem Discobesucher, der ihn filmte, entriss er das Handy und schmiss es in die Donau.
Vor einigen Tagen ist eine Bildaufnahme eines Schlafzimmers im Internet aufgetaucht. Magyar sah sich, ohne konkreten Vorwürfen ausgesetzt gewesen zu sein, genötigt, sofort an die Öffentlichkeit zu gehen und preiszugeben, was es damit auf sich hat: Eine Ferienwohnung auf der Budapester Ringstrasse, in der er mit ebenjener Ex-Freundin in den frühen Morgenstunden im Sommer 2024 ein Schäferstündchen hatte. Dort seien aber mehrere Unbekannte mit drogenartigen Substanzen anzutreffen gewesen – für Magyar kein Problem. Privatleben ist Privatleben, aber trotzdem rätselt nun das ganze Land mitten im Wahlkampf, was den Oppositionsführer geritten hatte, sich dort aufzuhalten und dies auch noch offen zu bekennen.
Moral, Seriosität und charakterliche Eignung des Kandidaten sind dabei nun die grössten Fragezeichen des ungarischen Wahlkampfes. Nur 36 Prozent der Befragten halten Magyar für den am meisten geeigneten Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, bei Viktor Orbán sind dies 46 Prozent.
Bence Bauer ist Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit und des Mathias Corvinus Collegiums in Budapest.