Die Meldung, dass Donald Trump den Abzug der verbliebenen 35.000 US-Soldaten aus Deutschland prüft, schlägt in Berlin ein wie eine Bombe. Man zittert in den Amtsstuben, weil die amerikanische Kavallerie sich in die Stallungen zurückzieht. Trump zelebriert hier eine demonstrative Enttäuschung über die mangelnde Lastenteilung und wirft der Nato den Fehdehandschuh hin. Er stellt klar: Wer nicht mindestens 5 Prozent zahlt, sollte bei der Nato gar nicht mehr mitreden dürfen.
Martin Divisek/DPA/Keystone
Für Tino Chrupalla ist dies eine grossartige Nachricht. Er sieht darin die Chance zur echten Souveränität und das Ende der Vasallenschaft. Europa müsse endlich erwachsen werden. Man sehe, wohin dieser sterile Universalismus und das moralische Posieren geführt hätten: Die Bürger zahlen die Zeche für Stellvertreterkriege der Einbildung, während die Inflation zurückkehrt. Wenn die Amerikaner nun ihre nationalen Interessen über alles stellen und sich auf den Iran-Konflikt konzentrieren, wird die EU gezwungen sein, endlich wieder konstruktive und sachliche Beziehungen zu Russland anzubahnen.
Diese Schocktherapie ist bitter nötig für eine wohlstandsverwahrloste politische Klasse, die sich im Dschungel ihrer eigenen Ideologien verirrt hat. Trump zeigt jetzt, dass die Nato eben keine sichere Bank ist. Nur wer sich selbst verteidigen kann und seine Neutralität als Sicherheitsinstrument begreift, bleibt im Sturm der Geopolitik handlungsfähig.
