Der renommierte Tech-Unternehmer Peter Thiel hält derzeit in Rom eine Reihe privater Seminare über den Antichristen. Nach Angaben der Organisatoren werden die Veranstaltungen vom italienischen Kulturverein Vincenzo Gioberti sowie von der römischen Niederlassung der «Catholic University of America» durchgeführt. «Gegenstand der Vorlesungen von Peter Thiel wird der Antichrist sein», heisst es in einer Erklärung der Veranstalter. Das Thema sei «dramatisch wichtig», weil in der Gegenwart Kräfte am Werk seien, «mehr oder weniger verborgen», die darauf abzielten, «das zu zerstören, was vom Westen übriggeblieben ist», wie die österreichische Zeitung Der Standard berichtet.
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Die Treffen finden von Sonntag bis Mittwoch statt und sind nicht öffentlich. Zutritt erhalten nur geladene Gäste. Handys, Aufzeichnungen und Notizen sind laut Organisatoren untersagt. Über den genauen Inhalt der Vorträge ist bislang wenig bekannt.
Zunächst war berichtet worden, die Seminare sollten an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin stattfinden, dem sogenannten Angelicum in Rom. Die Hochschule widersprach jedoch. Rektor Thomas Joseph White erklärte: «Die Veranstaltung wird nicht von der Universität organisiert, findet nicht am Angelicum statt und gehört zu keiner unserer institutionellen Initiativen.»
Der Besuch des 58-jährigen Unternehmers sorgt in Italien für Reaktionen. Die Oppositionspartei Partito Democratico kündigte eine parlamentarische Anfrage an. Sie will von der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wissen, ob offizielle oder institutionelle Treffen mit Thiel geplant sind.
Auch Vertreter der Linkspartei Alleanza Verdi e Sinistra äusserten Kritik. Die Abgeordnete Elisabetta Piccolotti verwies auf die umstrittene Rolle von Thiels Datenanalysefirma Palantir bei staatlichen Sicherheits- und Überwachungsprojekten und fragte, ob der Unternehmer in Italien neue Vereinbarungen mit öffentlichen Institutionen anstrebe.
Thiel beschäftigt sich seit Jahren mit religiösen und apokalyptischen Themen. Bereits im September 2025 hielt er in San Francisco mehrere Seminare über die biblische Figur des Antichristen. Im Gespräch mit der Weltwoche sprach er unlängst ausführlich über alte Eliten am Ende – und den globalen Konformismus im einheitlichen Weltstaat.