Ständerat Damian Müller gehört zu jenen Politikern in Bern, die konstant überschätzt werden. Dabei ist er ein begnadeter Opportunist und Blender, bei ihm ist vieles mehr Schein als Sein. Erst seit Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) nicht mehr im Justizdepartement das Asyldossier verwaltet, markiert er in der Asylpolitik Härte. Allerdings rennt er hier häufig offene Türen ein, wie zum Beispiel mit seiner Forderung nach einem Migrationsabkommen mit Marokko. Trotzdem waren nicht wenige der Meinung, dass der geschniegelte Luzerner als Aushängeschild seiner Partei bella figura machen könnte. Und so rückte Müller als möglicher Nachfolger von FDP-Parteichef Thierry Burkart zum aussichtsreichsten Kandidaten auf, nachdem andere ernsthafte Kandidaten frühzeitig reihenweise das Handtuch warfen.
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Er selber meldete verklausuliert zwar Ambitionen an, ohne sich aber festzulegen. Am 3. August erklärte er gegenüber Tamedia-Zeitungen, er wolle sich «sorgfältig überlegen, ob ich für ein Präsidium zur Verfügung stehe». Und weiter: Er stehe dazu im Dialog mit der Partei und seinem Umfeld. Am 8. August liess er sich in einer anderen Publikation mit den Worten zitieren, dass das Amt ihn grundsätzlich interessiere, er mache sich Gedanken. Am 14. August gab er der NZZ auf Anfrage zu verstehen, er könne zu seiner Kandidatur nichts sagen. «Ich kommuniziere, wenn ich kommunizieren kann», so Müller. Am 15. August liess er gegenüber CH-Media-Publikationen die Katze endlich aus dem Sack und meldete seinen Verzicht auf eine Kandidatur für das Parteipräsidium. Noch besser: Er erklärt der Zeitung, Ende Sommersession (Anfang Juli) sei für ihn klar gewesen, dass er nicht kandidiere. Also viel Rauch um nichts. Typisch Müller eben.