Wenn ein Politiker ein erstarrtes System mit neuen Themen aufbricht, durch Provokation und Zuspitzung, fördert dies ganz entschieden die Debatten. Es beschleunigt auch Veränderungen und notwendige Korrekturen. Aber gesellschaftliche Konflikte ungeschönt darzustellen wie bei der Migration, das gilt für die Medien und die in der politischen Mitte dümpelnden Parteien beinahe als Krankheit. Solche Politiker werden von Journalisten abwertend als «Populisten» verschrien.
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Das ist zwar ein etwas unscharf definierter Begriff. Doch der linksliberale Zeitgeist hängt dieses Attribut erfolgreichen, charismatischen Persönlichkeiten an, die für alle verständliche Lösungen bringen und der woken Welle standhalten.
Die hiesigen Medien stecken den früheren SVP-Bundesrat und Jahrhundertpolitiker Christoph Blocher, aber auch andere Vertreter der SVP gerne in diese Schublade. Man wirft ihnen dann vor, sie würden das sagen, was das Volk gerne hören wolle.
Tatsächlich?
Sind nicht vielmehr jene die wirklichen Populisten, die ihre Meinungen und Konzepte nach der politischen und gesellschaftlichen Grosswetterlage ausrichten und dafür waghalsige Pirouetten drehen – bloss um dem Publikum zu gefallen?
Schauen wir uns zum Beispiel einmal die Mitte-Partei etwas genauer an.
Sie gab 2021 den Ausschlag dafür, dass das Kriegsmaterialgesetz verschärft wurde. Als der Krieg in der Ukraine ausbrach riefen sie plötzlich wieder am lautesten nach einer Lockerung dieser Kriegsmaterial-Regelung.
Populistischer als das geht es kaum mehr.
Christoph Blocher sagt im Gegensatz dazu seit Jahrzehnten stets das Gleiche – beispielsweise, dass wir nicht näher an die EU heranrücken sollen. Die Geschichte hat ihm recht gegeben. Wirtschaftlich stehen wir besser da als die meisten EU-Staaten. Er vertritt seine Themen unverändert und mit grosser Überzeugungskraft – weil keiner wie er es versteht, komplexe Argumente auf verständliche Art zu kommunizieren.