Ein geplanter privater Tunnel sorgt in Salzburg für politischen und gesellschaftlichen Sprengstoff: Wolfgang Porsche, Erbe des gleichnamigen Autokonzerns, möchte unter dem Kapuzinerberg eine unterirdische Zufahrt samt Garage zu seiner historischen Villa aus dem 17. Jahrhundert graben lassen. Die Pläne des 81-jährigen Unternehmers, der das Anwesen 2020 für rund neun Millionen Dollar erworben hatte, stossen auf heftigen Widerstand in der Stadt – insbesondere bei linken Parteien und Bürgerinitiativen.
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Der Tunnel soll laut Wall Street Journal etwa 500 Meter lang sein und von einem städtischen Parkplatz durch den Berg bis zu einem unterirdischen Autokeller führen, in dem bis zu zwölf Fahrzeuge Platz finden. Zwar hatte die konservative Vorgängerregierung das Projekt genehmigt und Porsche einen symbolischen Betrag von 40.000 Euro für das Durchbohren städtischen Bodens berechnet, doch seit einem politischen Umbruch im März stehen die Zeichen auf Konfrontation.
Kritiker bemängeln nicht nur die Umgehung öffentlicher Verfahren und die geringe Nutzungsgebühr, sondern auch die soziale Symbolik des Vorhabens: «Es ist nicht akzeptabel, dass ein Superreicher seine politischen Kontakte und sein Geld für ein moralisch verwerfliches Projekt nutzt», erklärte eine Aktivistin.
Die Grünen und die Kommunisten im Stadtrat lehnen das Projekt ab. Eine Entscheidung über die notwendige Flächenumwidmung steht Mitte Mai an. Besonders brisant: Der amtierende Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) sass früher im Aufsichtsrat der Porsche Holding und prüft derzeit, ob er sich bei der Abstimmung enthalten muss.
Ein möglicher Kompromiss könnte darin bestehen, die Zufahrt auch anderen Anwohnern des Berges zu öffnen – oder zumindest einen Teil der renovierten Villa für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch der politische Schaden ist bereits angerichtet. «Wenn jemand Geld hat, kommt alles in Bewegung. Für den öffentlichen Verkehr gibt es aber immer Hürden», kommentierte ein Salzburger Designer auf Social Media.