Der Stuttgarter Autobauer Porsche steht vor dem Rückzug aus einem zentralen Zukunftsprojekt: Die Tochterfirma Cellforce, mit der Porsche eigentlich in die Batteriezellenproduktion einsteigen wollte, soll laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung weitgehend abgewickelt werden. Nach Informationen der dpa droht damit rund 200 Beschäftigten in Kirchentellinsfurt bei Tübingen die Kündigung – eine entsprechende Massenentlassung sei bei der Arbeitsagentur angezeigt worden.
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Übrig bleiben könnte lediglich ein kleiner Forschungsbereich. Noch im Jahr 2021 hatte Porsche gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Aufbau des Werks gefeiert. Damals galt Cellforce als Hoffnungsträger für den Wandel zur Elektromobilität, gefördert mit bis zu 60 Millionen Euro aus Steuergeldern. Ob und wie viel davon tatsächlich floss, bleibt unklar. Offiziell will sich Porsche nicht zur Abwicklung äussern.
Die Standortwahl für eine Grossfabrik scheiterte bereits früh an rechtlichen Hürden. Die ursprüngliche Idee, Tübingen zum Zentrum einer innovativen Batteriefertigung zu machen, wurde stillschweigend aufgegeben. Auch die Investorensuche verlief ergebnislos. Zwar reisten zuletzt Vertreter von BMW und sogar Rüstungsunternehmen nach Kirchentellinsfurt – doch ein tragfähiges Rettungskonzept scheint nicht zustande gekommen zu sein.
Für Porsche-Chef Oliver Blume, der auch den VW-Konzern leitet, ist die Einstellung von Cellforce ein Rückschlag. Blume hatte Porsche zur Elektromarke mit eigenem Zell-Know-how machen wollen. Doch der Markt entwickelt sich langsamer als geplant – und Porsche investiert inzwischen wieder verstärkt in Verbrenner. Die Schliessung von Cellforce bedeutet auch finanziell ein Fiasko: Allein die Abschreibungen auf Produktionsanlagen belaufen sich laut Bericht auf 295 Millionen Euro.