Was ist das für eine bizarre Attitüde, die Italiens Spitzenpolitiker wegen der Brandkatastrophe in Crans-Montana im Umgang mit der Schweiz an den Tag legen? Das Land hat seinen Botschafter aus der Schweiz zurückberufen, weil die Schweizer keine italienischen Fahnder auf helvetischem Territorium dulden wollen, die bei der Untersuchung des Flammeninfernos selbst aktiv werden.
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Es ist nachvollziehbar, wenn Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und ihr Spitzenpersonal wie Stellvertreter Matteo Salvini oder Aussenminister Antonio Tajani mit einer scharfen, gegen die Schweiz und die Walliser Untersuchungsbehörden gerichteten Rhetorik elektorales Kapital daraus zu schlagen versuchen. Und natürlich ist die Brandkatastrophe von Crans-Montana, bei der auch italienische Staatsangehörige getötet und schwer verletzt worden sind, eine grosse Tragödie für alle Beteiligten.
Aber muss Italien deswegen der Schweiz gleich die Liebe entziehen und einen absurden Konflikt vom Zaun brechen? Den italienischen Botschafter aus Bern abzuziehen, weil die Schweiz nicht bereit ist, italienische Polizisten mitermitteln zu lassen – so berichten jedenfalls diverse Medien –, ist eine unangemessene Reaktion und komplett übertrieben.
Gerade Italien hat keinen Grund, der Schweiz bei Strafuntersuchungen zu misstrauen. Beide Länder arbeiten bei der Bekämpfung der italienischen Mafia eng zusammen, da diese die Schweiz als logistisches Rückgrat und für Geldwäsche nutzt. Solche Ermittlungen haben in den letzten Jahren auch im Wallis stattgefunden. Vor einem Jahr wurde in Sitten zum Beispiel ein Mitglied der neapolitanischen Mafia Camorra verhaftet und nach Italien überstellt.
Doch beim Flammeninferno von Crans-Montana erweckt Italien den Eindruck, als wären unsere Justiz und insbesondere die Untersuchungsbehörden im Wallis eine Ansammlung völlig unfähiger Idioten. So werden sie seit der Brandnacht von den Schweizer Medien auch immer und immer wieder dargestellt, indem jedes Versäumnis zum grossen Skandal hochgeschaukelt wird. Die Italiener haben diese Steilvorlage dankbar aufgenommen und machen nun damit Druck auf die Schweizer Behörden.
Wir sind wirklich Weltmeister darin, uns international selber in die Bredouille zu bringen.