Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat ein erstes «Lagebild Linksextremismus» für sein Bundesland vorgestellt und warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung der Szene. «In Nordrhein-Westfalen ist Linksextremismus zwar kein Massenphänomen», sagte Reul. Doch werde die Szene «radikaler und deutlich gewaltbereiter».
Laut dem rund hundert Seiten starken Bericht haben sich die linksextremistisch motivierten Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2024 auf 2418 mehr als verdoppelt. Die Zahl der Gewaltdelikte stieg um 78 Prozent von 86 auf 153, Körperverletzungen nahmen um 93 Prozent auf 83 Fälle zu, Sachbeschädigungen schnellten um 143 Prozent auf 1190 Delikte in die Höhe. Auch das Personenpotenzial wuchs von 3000 auf rund 3300.
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Reul und Verfassungsschutzchef Jürgen Kayser beschreiben eine junge, stark ideologisch geprägte Szene. Einige Akteure sähen sich im «Endkampf» gegen alles, was sie als «faschistisch» markierten. Kampfsport diene offiziell dem «antifaschistischen Selbstschutz», tatsächlich aber der «körperlichen Aufrüstung».
Zugleich nutzen linksextreme Gruppen Themen wie Klimaschutz oder Antifaschismus, um ihre kapitalismuskritische Ideologie in breitere Debatten zu tragen. 2025 registrierten die Behörden zudem sechs Sabotageakte, nach zweien im Jahr zuvor. Eine Entwicklung hin zum Terrorismus sei bundesweit in Teilen der Szene zu beobachten, heisst es im Bericht.