Eine internationale Medienrecherche hat gravierende Vorwürfe gegen das Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) erhoben – ein Netzwerk, dem Medien wie der Spiegel und die Süddeutsche angehören. Wie die Untersuchung zeigt, wird das Netzwerk in erheblichem Umfang durch die US-Regierung finanziert. Allein 2023 sollen fast zwölf Millionen US-Dollar an das OCCRP geflossen sein, vorwiegend über das Aussenministerium und die Entwicklungsagentur USAID, berichtet das Online-Portal Apollo.
Der NDR, bis vor Kurzem Teil des Netzwerks, spielte bei den Enthüllungen eine zentrale Rolle. Er zog sich jedoch unter Druck des OCCRP zurück und verzichtete darauf, die Ergebnisse eigenständig zu veröffentlichen. Die Finanzierung erfolgt laut den Recherchen häufig verschleiert. Die USA besitzen offenbar Einflussrechte bei Personalentscheidungen im Netzwerk. Neben den Vereinigten Staaten sind auch europäische Staaten an der Finanzierung beteiligt.
Das OCCRP weist die Vorwürfe zurück und betont seine redaktionelle Unabhängigkeit. Die Organisation räumt jedoch ein, dass die genannten Summen korrekt seien. Kritiker sehen hierbei einen Widerspruch zu den Prinzipien des unabhängigen Journalismus. Unklar ist, ob deutsche Partner wie der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung über das Ausmass der Finanzierung informiert waren.
Die Recherchen wurden von verschiedenen Medien wie Mediapart (Frankreich) und Fatto Quotidiano (Italien) durchgeführt. Sowohl die Süddeutsche Zeitung als auch der Spiegel haben bisher nicht zu den Vorwürfen Stellung genommen.