Mit dem Ziel, zwei Millionen Tonnen CO₂ bis 2020 einzusparen, finanzierte die Stadt Hamburg über die Organisation Atmosfair 12.000 effiziente Holzöfen in Nigeria. Der Rechnungshof beanstandete das Vorgehen der Stadt. Diese zog aus dem Skandal nun Konsequenzen und will künftig nur noch lokale Projekte zur CO₂-Kompensation fördern.
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Die Hamburger Umweltbehörde rechnete sich zwischen 2018 und 2020 rund 75.000 Tonnen CO₂-Reduktion an – gestützt auf Zertifikate im Wert von über einer Million Euro. Diese Emissionseinsparungen seien laut Behördenangaben «ex post» von Uno-Prüfern bestätigt worden. Erst später seien Herde in einer nigerianischen Fabrik gefertigt worden – mit Hamburger Geldern, die nun rückblickend als «Spende» gelten.
Der Rechnungshof beanstandet massive Versäumnisse: Die Stadt habe keinerlei Belege über die tatsächliche Verwendung der Mittel verlangt und sich nicht abgesichert, ob die zugesagte Lieferung der Öfen auch erfolgt sei. Zudem wurde der Auftrag an Atmosfair ohne Ausschreibung vergeben – ein klarer Verstoss gegen das Vergaberecht. Die Verträge blieben bis heute unter Verschluss.
Der Rechnungshof zweifelt an der «üblichen Praxis», wie sie die Umweltbehörde beschreibt.
Auch eine zweite Kompensationslinie in Indien sei gescheitert, weshalb Atmosfair angeblich zusätzliche Herde in Nigeria installierte. Ob Hamburg damit seine Klimabilanz künstlich verbesserte, bleibt unklar. Die Opposition spricht von «Ablasshandel», der ohne Rechnungshof wohl nie publik geworden wäre.
Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) räumt Versäumnisse ein. Künftig solle «jeder Euro» aus CO₂-Kompensation in Projekte vor Ort fliessen. 2025 wurden bereits 174.000 Euro in Baumpflanzungen in Hamburg investiert.