Ringier-Chef Marc Walder setzt auf künstliche Intelligenz – und verrät damit den Journalismus
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Ringier-Chef Marc Walder setzt auf künstliche Intelligenz – und verrät damit den Journalismus

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Ringier-Chef Marc Walder setzt auf künstliche Intelligenz – und verrät damit den Journalismus
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Ich bin nicht der Erste, der unsere heutige Welt verrückt nennt. Dennoch – hier mein Versuch, diese totale Verrücktheit einmal in ein paar magere Worte zu kleiden.

Ostermontag. Ich lese in der NZZ online ein grosses Interview mit dem Chef von Ringier, dem cleveren Unternehmer Marc Walder.

Ich kenne Marc seit vielen, vielen Jahren. Er war ein guter nationaler Tennisspieler, lernte als solcher Michael Ringier kennen, den langen Ringier-Sohn, der einmal das Milliarden-Unternehmen übernehmen sollte. Michael verging die Lust, dies als Journalist zu versuchen, ihm lag die Kunst nahe. Marc, wie gesagt clever, schlau und wach, merkte sehr schnell, dass Journalismus ein mühsames, zeitraubendes Handwerk ist. Ihm niemals dabei helfen würde, das Unternehmen, das er studierte, zu übernehmen. Die Journalisten, wie ich zum Beispiel, waren schlecht zu kontrollieren in ihrer jugendlichen Begeisterung, ihre Welt möglichst spannend der Allgemeinheit zu schildern. Nein, es musste doch eine Möglichkeit geben, sein fehlendes Talent für den Journalismus zu kompensieren, mit Ringier diese Quelle des Schweizer Journalismus zu übernehmen, ohne sich abhängig von den verrückten Kerlen zu machen, die sich mit Journalismus abquälten.

© KEYSTONE / URS FLUEELER
Ringier-CEO Marc Walder am Swiss Media Forum im KKL Luzern
© KEYSTONE / URS FLUEELER

Daten! Das war es.

Die Zeit dazu war reif. Chips. Computer. Datenbanken. Sie veränderten eben die ganze Welt. Wenn es ihm gelingen würde, diese Daten an die Stelle der verrückten Journalisten zum Kern dieses Unternehmen zu machen, spielte seine stark mangelnde Sinnlichkeit, die ihm zum Journalisten fehlt, keine Rolle. Denn guter Journalismus beruht hauptsächlich auf der Fähigkeit, die Sinne seiner Leser mit der Beschreibung von Fakten anzusprechen. Und damit jedes Thema für den Menschen interessant zu machen.

Ostermontag. Das NZZ-Interview. Marc Walder sagt, nur noch drei Medien würden in der Schweiz die Krise überleben. Er basiert seine Behauptung auf seinen kalten Daten. Denn Ringier, er, hat den sinnlichen Journalismus längst verraten. Durch Datenbanken ersetzt. Und jetzt kommt KI. Künstliche Intelligenz. Sie wird versuchen, die kalten Daten wieder zu erwärmen, denn in ihrer Entwicklung steht die Wahrheit, dass ohne Sinnlichkeit die Menschheit aussterben wird. Der Mensch wird in die Sinnlichkeit geboren, wenn sie ihm verlorengeht, stirbt er.

Verrückt! Drei grosse Schweizer Medien-Unternehmen. Keine Zukunft. Denn sie werden von Menschen geleitet, die keine Ahnung von Journalismus haben. Nur noch Datenverkäufer sind.

Ostermontag. Washington. Der verrückte US-Präsident Donald Trump schildert, wie er seine abgestürzten Piloten mit 155 Flugzeugen vor den wahnsinnigen Persern gerettet hat, die kürzlich von Hausdächern hinunter mit Zielfernrohren Tausenden Frauen ins Gesicht schossen, die unverschleiert gegen deren religiösen Wahn protestierten. Das Schweizer Fernsehen interessiert sich nicht für die Weltgeschichte in Washington. Es zeigt zwei alte Inspektoren, die hinkend auf Verbrecherjagd gehen. Am nächsten Tag berichten die anderen grossen Verlage, einer ist Marc Walders Ringier, über Trump und Washington. Ihre Berichte sind mit Verachtung, ja Hass über den Mann gefärbt, der es gewagt hat, am Vorabend mit politischer Unkorrektheit über die verrückten persischen Bastarde zu sprechen, die von Dächern hinunter den unverschleierten Frauen in die Augen geschossen haben.

Verrückte Welt. Ja, die Schweizer Medien werden sterben.

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