Der US-Politikwissenschaftler John Mearsheimer sieht sich durch den Ausbruch des Kriegs im Iran und den fortlaufenden Konflikt in der Ukraine in seiner These des «offensiven Neorealismus» bestätigt. Diese besagt, dass internationale Beziehungen keine übergeordnete Instanz kennen, sondern immer von den nationalen Interessen geprägt werden.
PD
In seinen aktuellen Verlautbarungen beschreibt Mearsheimer die Weltlage nicht als Kampf zwischen Gut und Böse, sondern als zwangsläufiges Scheitern einer überdehnten liberalen Hegemonie.
Im Nahen Osten sieht Mearsheimer die USA auf dem Holzweg. Seine Kritik an der bedingungslosen Unterstützung Israels ist schärfer denn je. Er warnt davor, dass sich die USA durch die «Israel-Lobby» in einen Krieg gegen den Iran ziehen lassen, der keinerlei strategischen Nutzen für Washington habe. Es handle sich um ein Manöver zur Ablenkung von der eigentlichen geopolitischen Herausforderung: dem Aufstieg Chinas.
Auch bezüglich Ukraine vertritt Mearsheimer eine im Westen wenig populäre Meinung: Er sieht den Krieg als längst entschieden an. Die Hoffnung auf eine Rückeroberung der Gebiete durch Kiew sei eine gefährliche Fiktion.
Der Politikwissenschaftler argumentiert, dass Russland als Grossmacht eine Nato-Präsenz an seiner Grenze niemals akzeptieren werde. Das Ergebnis sei ein zerstörter «Rumpfstaat» Ukraine und ein Europa, das in eine dauerhafte Sicherheitskrise gerate. Die USA wiederum würden dabei ihre Ressourcen erschöpfen, die sie eigentlich für den Konflikt mit China brauchten.