Rumänien, der nächste Sanierungsfall der EU? Warum Erinnerungen an die Griechenland-Krise wach werden könnten
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Rumänien, der nächste Sanierungsfall der EU? Warum Erinnerungen an die Griechenland-Krise wach werden könnten

In Rumänien findet am 18. Mai 2025 die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen zwischen George Simion und dem Bukarester Bürgermeister Nicosur Dan statt. Simion von der rechtsradikalen Partei AUR gewann die erste Wahlrunde mit 41 Prozent der Stimmen klar vor dem Pro-Europäer Dan mit 21 Prozent. Wer immer die Wahlen gewinnt, wird mit einer schwierigen wirtschaftlichen Situation konfrontiert werden.

Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
European Commission President Ursula von der Leyen speaks during a strategic dialogue with leaders of the European defense industry at EU headquarters in Brussels, Monday, May 12, 2025
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Die Probleme sind derart gross, dass das Land wohl der nächste Sanierungsfall der EU werden könnte. Auch wenn Rumänien mit seinen rund neunzehn Millionen Einwohnern und einem BIP von 354 Milliarden Euro, das nicht einmal der halben Wirtschaftsleistung der Schweiz mit ihren neun Millionen Einwohnern entspricht, unwichtig erscheint, könnte sich das Aufbrechen der finanziellen Eiterblase wie die Griechenland-Krise 2010 auf die gesamte EU ausweiten.

Das Land ist zwar Nettoempfänger von rund sechs Milliarden Euro EU-Geldern, aber diese sind lediglich ein Tropfen auf den heissen Stein. Gemeint ist das Budgetdefizit von 32 Milliarden im Jahr 2024. Die Lücke zwischen den Einnahmen und den Ausgaben des Staates beläuft sich auf 27 Prozent der Einnahmen. Um die Lücke zu schliessen, müssten entweder die Einnahmen massiv erhöht oder die Ausgaben radikal gekürzt werden.

Die Regierung führte Ende 2024 zwar Massnahmen ein – wie das Einfrieren von Löhnen und Renten im öffentlichen Sektor, um das Staatsdefizit 2025 auf 7,0 Prozent des BIP und 2026 auf 6,4 Prozent zu senken. Ob die Staatsbediensteten diesen Lohnstopp über längere Frist kampflos akzeptieren werden, muss allerdings bezweifelt werden, denn die Teuerung in Rumänien verharrt seit längerem hartnäckig um die 5 Prozent. Seit Ende 1999 bis heute stellte sich die Inflation auf 43 Prozent (Euro-Zone 21 Prozent).

Auch Rating-Agenturen, beispielsweise Moody’s, haben den Ausblick für Rumänien herabgestuft, weil sich die Finanzlage in den kommenden Jahren erheblich verschlechtern soll. Die Staatsverschuldung könnte von heute 54,8 Prozent allein bis 2028 auf 68,5 Prozent des BIP ansteigen.

Im Verhältnis zu den Staatseinnahmen machen sie bereits heute 160 Prozent aus. Der IWF prognostiziert bis 2030 einen Anstieg auf über 75 Prozent. Rumäniens Moody’s Baa3-Rating, die letzte Stufe der Bonitätsbeurteilung von Staatsschulden vor dem Junk-Status, wird wahrscheinlich gesenkt werden, wenn die Regierung keine sichtbare Haushaltskonsolidierung erreicht.

Fällt Rumänien in den Junk-Status, dann werden viele Anleger, die in ihren Portfolios Qualitätsstandards für Anleihensschuldner beachten müssen, gezwungen sein, Anleihen des Staates Rumänien abzustossen. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen sind seit Ende 2023 bis heute wieder von 6,1 auf 7,9 Prozent angestiegen.

Sie liegen damit zwar noch unter dem historischen Höchststand, der während der globalen Finanzkrise 2009 mit 11,5 Prozent erreicht wurde, aber derart hohe Zinsen belasten die Wirtschaft schwer. Kommt es zu einer Absenkung der Bonitätsbeurteilung könnten die Zinsen weiter ansteigen.

Die Zinskosten des Staates machen bereits heute 6,8 Prozent der Einnahmen aus. Die hohen Risikoaufschläge der rumänischen Leu-Anleihen gegenüber Franken Obligationen vermochten den Leu dennoch nicht zu stabilisieren. Er verlor gegenüber dem Franken in den letzten zehn Jahren 23 Prozent an Wert. Trotz der Leu-Abwertungen und der tiefen Löhne erscheint Rumänien international wenig konkurrenzfähig, denn im Aussenhandel klafft ein Loch von 7,5 Prozent des BIP.

Der IWF erwartet für 2025 ein Realwachstum von 1,6 Prozent, das sich dann in den folgenden Jahren sukzessive auf über 3 Prozent beschleunigen soll. Diese Annahme erscheint sehr optimistisch, denn die Sanierung des Staatshaushaltes und die hohen Zinsen belasten die Wirtschaft. Die Teuerung soll sich bis 2030 auf unter 3 Prozent zurückbilden. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 5,5 Prozent trotz der in der EU höchsten Jugendarbeitslosenrate von 27 Prozent sogar noch unter dem EU-Mittel von 5,8 Prozent, was aber teils auch auf die hohe Auswanderung zurückzuführen ist, denn die Bevölkerung ist seit 1990 bis heute um rund 20 Prozent geschrumpft.

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