Merkwürdig ist es schon, dass der Sieger der rumänischen Präsidentschaftswahl seinen Stimmenanteil mehr als verdoppeln konnte – von 20 auf 45 Prozent.
Eine Erklärung ist das französische Modell: Auch in Rumänien schlossen sich alle politischen Kräfte über ideologische Grenzen hinweg zusammen, um «rechte Populisten» auszubremsen.
Es hat geklappt, und Brüssel atmet hörbar auf.
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Man sollte eher den Atem anhalten, denn man kann das Ergebnis auch anders lesen: Alle politischen Kräfte zusammen sind nur so stark wie die Nationalkonservativen allein.
Ähnlich sieht es in Polen aus. Hauchdünn ist der Vorsprung, mit dem der pro-europäische Liberale vor seinem konservativen Rivalen in die Stichwahl geht.
Bei der Parlamentswahl in Portugal setzte sich der Niedergang der einst ruhmreichen europäischen Sozialdemokratie fort. Gleichauf an zweiter Stelle liegen die Populisten der Chega-Partei.
Der Name bedeutet «Es reicht», und er zeigt, warum ihr und ihren Gesinnungsgenossen in Europa die Zukunft gehört. Wähler haben die Nase voll von abgewirtschafteten Mainstream-Parteien, die schon immer an der Macht waren und keine Ideen mehr haben für die Lösung von Problemen, die sie selber schufen.
Noch klammern sie sich an die Macht, indem sie sich aneinander klammern. Auf Dauer funktioniert das nicht.