Alice Weidel sorgt sich um Donald Trump. Sie befürchtet, er könne sein Gesicht verlieren wegen Wladimir Putins Weigerung, auf seine Friedensbemühungen einzugehen.
In der Tat scheint es, als ob der Kreml-Chef der Nato vorsätzlich auf der Nase herumtanzen würde. Auch wenn man westliche Propaganda abzieht, bleibt festzuhalten, dass Russland den Gegner abtastet.
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Bislang kann Moskau zufrieden sein. Die westliche Luftabwehr war von ein paar Billigdrohnen aus dem Baumarkt überfordert. MiG-Kampfflugzeuge düsten fast eine Viertelstunde durch Estlands Lüfte.
Zum Vergleich: Die türkische Luftwaffe schoss 2015 eine russische Suchoi nach siebzehn Sekunden ab.
Putin fühlt sich siegesgewiss, nicht nur auf dem Schlachtfeld. In Trump sieht er einen Angeber, der grossmäuligen Worten – Grönland, Panama, Ukraine-Frieden – keine Taten folgen lässt. «All hat and no cattle», sagt man in Texas: «Grosser Cowboyhut auf dem Kopf, aber keine Kuh auf der Weide.»
Putin hat Amerika durchschaut: Sich davonstehlen – wie immer, wenn ein Krieg nicht mehr läuft, wie man es sich in Washington vorgestellt hat.
Bleiben die Europäer. Putin sieht, dass ihnen die Luft ausgeht. Die Arsenale sind leer, die Kassen sowieso. Kiew ist ein teures Mündel. Die Versuche der EU, sich russischen Staatsvermögens zu bemächtigen, zeugen von Verzweiflung. Weit würde man mit den 200 Milliarden Euro ohnehin nicht kommen.
Auch in Kiew brodelt es. Immer lauter wird die Kritik am zunehmend diktatorisch herrschenden Staatschef Selenskyj. Es ist eine Frage der Zeit, bis mächtige Militärs und Oligarchen die Geduld mit ihm verlieren.
Zeit ist das Schlüsselwort. Im Russischen gibt es das deutsche Lehnwort Zeitnot. Im Schachspiel beschreibt es den Versuch, den Gegenspieler zeitlich so unter Druck zu setzen, dass er aufgibt.
Putin spielt, wie alle Russen, gerne Schach.