Olaf Scholz wurde vorgeworfen, dass man nie wusste, was er sagte – so verschwurbelt und wolkig redete er daher.
Friedrich Merz kann man diesen Vorwurf nicht machen. Er trägt das Herz auf der Zunge, haut raus, was ihm in den Sinn kommt.
Eigentlich ein positiver Zug. Nur nicht für einen Kanzler, der nicht am Stammtisch, sondern für sein Land spricht. Und hier wird Merz’ Mitteilungsbedürfnis kritisch, wenn nicht gar gefährlich.
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Soeben hat er Russland als Land bezeichnet, das sich «in einem Zustand der tiefsten Barbarei» befinde. «Damit müssen wir uns abfinden.»
Er hat kein Urteil über Russlands Regierung, dessen Präsidenten, dessen politisches System gefällt, sondern über das ganze Land samt Bewohnern. Die sind, versteht man ihn richtig, Barbaren.
Damit bedient Merz eines der ältesten westlichen Klischees über Russland. Eine direkte Linie führt von den Tataren über Iwan den Schrecklichen bis zu slawischen Untermenschen.
Das sagt der Kanzler eines Landes, das selbst in tiefste Abgründe der Barbarei abgetaucht ist.
Wie oft soll man es noch wiederholen: Egal, wie und wann der Krieg in der Ukraine endet, Russland wird bleiben. Und Merz oder einer seiner Nachfolger wird mit diesen Barbaren reden müssen.
Viel Glück.