Wie sehr kann sich Nato-Generalsekretär Mark Rutte auf die Bündnispartner verlassen? Allein die Frage zu stellen heisst, dass Zweifel angebracht sind. Zweifel, die Rutte selbst bestärkt hat.
In Bemerkungen über den russischen Drohnenschwarm in Polen beschwor er die Einheit des Bündnisses – ein Schwur, den Repräsentanten von Nato-Staaten letzthin verdächtig oft betonen.
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Dann kam Rutte auf die Geografie zu sprechen, genauer auf die Ostflanke der Nato an der Grenze zu Russland. Diesen Ausdruck möge er nicht – „weil es den Eindruck erweckt, dass ich in Madrid oder in London sicherer bin als in Tallinn.“ Ruttes Appell: „Wir leben alle an der Ostflanke.“
Die russophoben und allzeit kriegsbereiten Briten hätte er nicht erinnern müssen, aber Madrid ist eine andere Sache. Tatsächlich überwiegt in Spanien und in Portugal die Skepsis über den säbelrasselnden Kurs des Bündnisses.
Und so tat Rutte, was er sonst dem Kreml vorwirft: Er drohte den unsicheren Kantonisten mit russischen Waffen: „Diese neuesten russischen Raketen kommen mit fünffacher Schallgeschwindigkeit herunter, und sie brauchen nur fünf oder zehn Minuten länger, um Madrid oder London zu erreichen.“
Zweifler gibt es freilich nicht nur im fernen Westen, sondern auch an der Ostflanke – in Ungarn und der Slowakei.
Da kann Rutte nur hoffen, dass es nicht zum Schwur kommt.