Die AfD in Sachsen-Anhalt gerät zunehmend unter internen Druck. In einem als vertraulich gekennzeichneten Schreiben an die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla warnen elf Mitglieder aus der Landespartei eindringlich vor wachsendem politischen Schaden durch hausgemachte Skandale. «Die grösste Gefahr sind derzeit nicht unsere Gegner, sondern hausgemachte Skandale, Machtkämpfe und öffentlich ausgetragene Vorwürfe», heisst es laut Bild-Zeitung im Schreiben.
Kay Nietfeld/DPA/Keystone
Konkret geht es um mutmassliche Vetternwirtschaft, undurchsichtige Finanzpraktiken sowie die Beschäftigung von Vertrauten in Landtagsbüros. Der politische Schaden sei bereits entstanden – unabhängig von juristischen Bewertungen. Im Fokus steht AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der laut Basis zwar unterstützt wird, jedoch «schlecht beraten» sei und unter Druck stehe. Es bestehe die Gefahr, dass die «gesamte Partei mit nach unten gezogen» werde.
Scharfe Kritik trifft vor allem den parlamentarischen Geschäftsführer Tobias Rausch, dem die Unterzeichner eine Eskalation interner Konflikte vorwerfen. Statt Aufklärung gebe es Schweigen, Druck auf Kritiker und eine Instrumentalisierung parteiinterner Verfahren.
Auch der Landesvorstand unter Martin Reichardt wird für Untätigkeit gerügt. Das Schreiben ist laut Verfassern ein «letzter Versuch, Schaden abzuwenden». Gefordert werden nun eine unabhängige Prüfung und Transparenz. Sachsen-Anhalt habe die «Chance auf eine blaue Regierung» – diese dürfe nicht durch «Filz und interne Kämpfe» verspielt werden, heisst es abschliessend.
Inzwischen reagierte der Bundesvorstand: Das Mitglied Kay Gottschalk wurde laut Politico mit der Schlichtung beauftragt.