Die Reederei Maersk streicht wegen der Eskalation im Nahost-Krieg weitere Schiffsverbindungen in die Golfregion. Der dänische Konzern teilte mit, dass Verbindungen von Europa und Asien in den Nahen Osten vorläufig ausgesetzt werden.
Maersk begründet den Schritt mit der unsicheren Lage rund um die Strasse von Hormus. Die Passage gilt als strategisch zentral für den globalen Energie- und Warenhandel, steht aber unter Kontrolle des Iran und ist seit Ausbruch des Konflikts zunehmend gefährlich für die zivile Schifffahrt. Bereits zuvor hatten mehrere Reedereien Verbindungen zu Häfen im Persischen Golf gestoppt.
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Die Auswirkungen reichen weit über die Region hinaus. Der internationale Schifffahrtssektor erklärte neben dem Persischen Golf und der Strasse von Hormus auch den Golf von Oman offiziell zum Kriegsgebiet. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO sitzen rund 20.000 Seeleute infolge der Kämpfe in der Region fest. Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen wurden in der Meerenge mehrere Zwischenfälle mit Handelsschiffen registriert. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, sechs weitere wurden verletzt.
Die Blockade zentraler Transportkorridore setzt die globale Logistik zunehmend unter Druck. Der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) spricht von erheblichen Störungen im See- und Luftverkehr. «Durch die Blockade der Seeschifffahrt in der Hormus-Meerenge und die grossflächige Sperrung des Luftraums über den Golfstaaten sind mehrere Verkehrskorridore lahmgelegt», erklärte der Verband.
Für Containertransporte im Persischen Golf verlangen Reedereien inzwischen sogenannte Notfall-Konfliktzuschläge von bis zu 4000 Dollar pro Fahrt. Viele Schiffe meiden zudem den Suezkanal und nehmen stattdessen den deutlich längeren Umweg um das Kap der Guten Hoffnung. Auch im Luftverkehr geraten wichtige Drehkreuze wie Dubai, Abu Dhabi und Doha unter Druck.
Logistikexperten erwarten, dass die steigenden Transportkosten bald auch bei Konsumenten ankommen. Neben höheren Frachtraten treiben vor allem steigende Energiepreise und zusätzlicher Organisationsaufwand die Kosten in die Höhe. Lieferketten müssten kurzfristig umgestellt, Transporte neu geplant oder ganz storniert werden. Branchenvertreter rechnen deshalb mit spürbaren Preissteigerungen für zahlreiche Waren.