Kohlenhydrate am Abend können das Einschlafen fördern, während schwer verdauliche Speisen und Alkohol den Schlaf oft verschlechtern. Das sagt der Schlafmediziner Hans-Günter Weess, Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster. «Aus einer schlafmedizinischen Perspektive [sind] Kohlenhydrate am Abend schon sinnvoll», erklärt Weess der FAZ. Grund ist, dass der Körper das L-Tryptophan als Vorstufe von Serotonin und Melatonin «nur dann verarbeiten» könne, «wenn wir Kohlenhydrate zu uns nehmen».
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Für einen schlaffreundlichen Abend empfiehlt Weess eher ballaststoffreiche, leichte Kost wie Gemüse, Obst und Nüsse. Bestimmten Lebensmitteln wie Kiwis oder Sauerkirschsaft werde wegen ihres Melatoningehalts ein «Turboeffekt» zugeschrieben, doch die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Schlafqualität seien «mit Vorsicht zu geniessen». Wer bereits ordentlich schlafe, könne den Schlaf mit Anpassungen optimieren; eine «massive Schlafstörung» verschwinde dadurch meist nicht.
Problematisch seien Fettiges und alles, «was schwer verdaulich ist», etwa Gegrilltes, grobe Vollkornbrote oder blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, Lauch, Zwiebeln oder Pilze. Als Faustregel nennt Weess: Zu schweren Mahlzeiten «mindestens vier Stunden» Abstand zur Bettzeit, bei leicht Verdaulichem reichten oft «zwei Stunden».
Alkohol sei kein «guter Schlafratgeber»: Er lasse zwar schneller einschlafen, reduziere aber den Tiefschlaf und führe zu mehr Wachreaktionen, Schwitzen und Unruhe. Als Snack vor dem Zubettgehen empfiehlt Weess etwa «Cashewkerne, Studentenfutter, eine Handvoll Walnüsse» oder Milchprodukte mit Haferflocken und Nüssen.
Schlaftees könnten helfen, «aber weniger wegen des Inhalts, sondern wegen des Rituals». Entscheidend sei oft die innere Haltung: Anspannung und Grübeln seien «der Feind des Schlafes».