Mehrere Schwellenländer in Asien haben wegen der Energieknappheit infolge des Iran-Kriegs Notmassnahmen beschlossen, darunter Treibstoffrationierungen, Produktionskürzungen und Einschränkungen im öffentlichen Leben. Behörden verschiedener Länder bestätigten laut Regierungsangaben und Branchenvertretern entsprechende Krisenschritte. Betroffen sind unter anderem Bangladesch, Indien, Pakistan, die Philippinen und Myanmar.
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Besonders drastisch reagiert Bangladesch. Wie das Handelsblatt berichtet, liess die Regierung am Montag sämtliche Hochschulen schliessen, um Strom zu sparen und das überlastete Netz zu stabilisieren. Das Land ist stark von Importen von Flüssigerdgas aus dem Nahen Osten abhängig; durch den Krieg sind Lieferungen teilweise ausgefallen. Zusätzlich wurden Obergrenzen für Treibstoffkäufe eingeführt: Privatwagen dürfen pro Tag höchstens 10 Liter tanken, grössere Fahrzeuge maximal 25 Liter.
Die Energieknappheit trifft auch die Industrie. In Bangladeschs Textilbranche, dem wichtigsten Exportsektor, müssen Fabriken ihre Produktion stark reduzieren. Teilweise reicht der verfügbare Diesel nur noch für etwa eine Stunde Betrieb pro Tag. In Indien und Pakistan kündigten Gasversorger zudem an, Lieferungen an Industriebetriebe zu kürzen. In der indischen Region Gujarat stellten Keramikfabriken bereits ihre Produktion ein, weil Brennstoff fehlt.
Auch im Verkehr greifen Regierungen ein. In Myanmar dürfen Autos nur noch jeden zweiten Tag fahren, abhängig von der Endziffer des Nummernschilds. Verstösse können strafrechtlich verfolgt werden. Auf den Philippinen führte die Regierung eine Viertagewoche für Behörden ein und ordnete Einsparungen beim Strom- und Treibstoffverbrauch von bis zu 20 Prozent an. Präsident Ferdinand Marcos Jr. sagte: «Wir sind Opfer eines Krieges, den wir uns nicht ausgesucht haben. Aber wir haben es in der Hand, wie wir die Filipinos schützen werden.»
Parallel versucht Indien, seine Energieversorgung zu stabilisieren. Aussenminister Subrahmanyam Jaishankar erklärte im Parlament: «Unsere nationalen Interessen, einschliesslich der Energiesicherheit, werden immer an erster Stelle stehen.» Beobachter erwarten deshalb eine Ausweitung der indischen Ölimporte aus Russland.