Im Kanton Basel-Landschaft weist jedes dritte Kind eineinhalb Jahre vor dem Kindergarteneintritt ungenügende Deutschkenntnisse auf. Das zeigen aktuelle Erhebungen der kantonalen Behörden, berichtet der Blick. Ähnliche Zahlen meldeten bereits Zürich (27 Prozent) und der Thurgau (25 Prozent). Besonders betroffen sind Kinder aus nicht deutschsprachigen Haushalten, die seltener Spielgruppen oder Krippen besuchen – oft aus finanziellen Gründen oder weil Eltern bewusst die Familiensprache pflegen wollen.
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Dagmar Rösler, Präsidentin des Lehrer-Dachverbands LCH, warnt: «Wenn man sich nicht oder nur sehr ungenügend ausdrücken und verständigen kann, dann hat das für das Wohlbefinden der Kinder als auch für den Unterricht unter Umständen grosse Auswirkungen.» Frühe Sprachförderung sei entscheidend, doch das Angebot variiere stark zwischen Gemeinden und Kantonen. Rösler erkennt gar einen «Röstigraben» in der Bildungspolitik: Die Romandie investiere deutlich stärker in frühkindliche Förderung als die Deutschschweiz.
Ein Vorzeigemodell findet sich im Tessin: Dort besuchen 70 Prozent der Dreijährigen die scuola dell’infanzia. Kinder mit Fremdsprachenhintergrund erhalten gezielte Unterstützung durch speziell ausgebildete Fachkräfte. Rösler fordert eine breitere Wertschätzung von Mehrsprachigkeit – auch die Erstsprache der Kinder soll gestärkt werden.
Die Aargauer Bildungsdirektorin Martina Bircher (SVP) hingegen denkt laut über Spezialklassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse nach – «Deutsch-Bootcamps». Sie kritisiert, dass viele fremdsprachige Eltern darauf vertrauen, ihre Kinder würden Deutsch erst in der Schule lernen. Zudem seien manche Spielgruppen so stark von fremdsprachigen Kindern dominiert, dass das Deutschlernen erschwert werde.