Der Schweizer Franken hat gegenüber dem US-Dollar ein Zehnjahreshoch erreicht und könnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu einer Rückkehr zu Negativzinsen zwingen. Dies berichtet die Financial Times.
Investoren suchen angesichts weltweiter Handelskonflikte verstärkt Sicherheit in der stabilen Alpenrepublik. Der Dollar fiel zeitweise auf unter 0.80 Franken – ein Niveau, das zuletzt bei der überraschenden Aufhebung des Euro-Mindestkurses 2015 erreicht wurde.
© KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Analysten warnen, die rasante Aufwertung könne deflationäre Tendenzen verstärken und die exportabhängige Wirtschaft belasten. Bereits jetzt notieren zweijährige Staatsanleihen wieder im negativen Bereich. Märkte preisen laut Financial Times eine rund 80-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass die SNB im Juni die Zinsen auf null senken wird – mit Möglichkeit weiterer Schritte ins negative Terrain.
Diplomatisch agiert Bern vorsichtig: Präsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin reisten nach Washington, um Sanktionen zu verhindern. Die USA hatten die Schweiz schon einmal als Währungsmanipulator eingestuft – eine Wiederholung will man vermeiden.
Die SNB hatte ihre Zinsen 2022 erstmals nach acht Jahren Negativzinsphase wieder ins Plus angehoben. Nun könnte der Kurswechsel rückgängig gemacht werden. «Wenn die SNB unzufrieden mit dem starken Franken ist und Interventionen vermeiden will, bleiben nur Zinssenkungen», erklärte ING-Analyst Francesco Pesole.