Schweizer raus, Spanier rein: Wie eine Ordensfrau in der Ostschweiz nach sechzig Jahren im Kloster Wonnenstein rausgekegelt wurde
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Schweizer raus, Spanier rein: Wie eine Ordensfrau in der Ostschweiz nach sechzig Jahren im Kloster Wonnenstein rausgekegelt wurde

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Die Ankündigung klang harmlos: Am 13. Oktober meldete sich der neue St. Galler Bischof Beat Grögli zusammen mit der Präsidentin der Föderation des Kapuzinerordens für einen Besuch im Kloster Wonnenstein (AI) an. Sie gaben vor, sich nach der Gesundheit der letzten Bewohnerin dieses Konvents, Schwester Scolastica, zu erkundigen und sie über eine bevorstehende Visite von drei Nonnen aus dem Ausland zu informieren.

Schweizer raus, Spanier rein: Wie eine Ordensfrau in der Ostschweiz nach sechzig Jahren im Kloster Wonnenstein rausgekegelt wurde

Tatsächlich stellte der Bischof der Ordensfrau ein Ultimatum: «Schwester Scolastica, Sie wissen, dass Sie vom Kloster wegmüssen», gab er sofort zu verstehen. Er erklärte ausserdem, dass Vertreterinnen einer anderen Ordensgemeinschaft vom 26. bis zum 30. Oktober für eine Besichtigung nach Wonnenstein kämen. Bis dahin solle Schwester Scolastica nicht mehr im Haus sein. Der Bischof und die Kapuziner-Oberin drohten ihr sogar mit der Entlassung aus dem Orden, wenn sie dem Appell nicht Folge leisten würde.

Dem Treffen ging ein langjähriger Kampf der Nonne vor weltlichen und kirchlichen Gerichten um ihr Zuhause im Kloster Wonnenstein voraus, wo sie seit 1964 lebt. Der Krach entfachte sich nach einem Besitzerwechsel 2013.

Die Bodaner, eine akademische Verbindung in St. Gallen, die seit Jahrzehnten nach Wonnenstein wallfahrten, boten damals den Schwestern Hilfe beim Management des Klosters an – eine Unterstützung, welche die bereits betagten Ordensfrauen noch so gerne und dankbar annahmen.

Was ihnen nicht bewusst war: Fast zeitgleich mit dieser Hilfestellung wandelten die Bodaner die vormals kirchliche Stiftung in einen weltlichen, unabhängigen Verein um, und die Schwestern hatten nichts mehr zu sagen.

Ab 2020 lebte Maria Scolastica allein auf dem Areal, denn alle anderen Schwestern waren inzwischen verstorben. Der Vatikan, der damalige St. Galler Bischof Markus Büchel, Ehrenmitglied der Studentenverbindung, die Regierung von Appenzell Innerrhoden und die Föderation St. Klara, Dachverband der Kapuzinerinnen, versuchten nun alles, sie loszuwerden, weil sie als Einzelperson keine klösterliche Gemeinschaft mehr bilde.

Schwester Scolastica hat den Entscheid des so genannten Dikasteriums aus Rom, sie solle das Kloster verlassen, auf den sich Bischof Grögli bezieht, angefochten. Gleichzeitig kämpft sie vor Gericht um ihr Erbe, welches sie beim Eintritt in den Orden der damaligen Oberin abgeben musste.

Der letzte Akt in dieser erbärmlichen Komödie: Nachdem die letzte Schweizer Kapuzinerin hinausgenötigt wurde, soll nun laut einem Communiqué der Klosterverantwortlichen nach erfolgten grösseren Umbauarbeiten in der Adventszeit 2026 die Gemeinschaft der Schwestern von Maria Stella Matutina (Maria Morgenstern) einziehen. Der in Spanien gegründete Orden hat seinen Hauptsitz in Italien. Die Nonnen sollen hocherfreut sein über den Umzug und lernten bereits eifrig Deutsch.

Kaum zu fassen: Man stellt eine Schweizer Ordensfrau auf die Strasse, damit eine Schwesterngemeinschaft aus dem Ausland in die frisch renovierten Räumlichkeiten von Kloster Wonnenstein einziehen kann?

Für die Bodaner ist das wohl ein wahrer Glücksfall, denn die fremden Ordensfrauen werden sich nicht gegen Neuerungen und Vorschläge zur Wehr setzen – zumal sie die Vorgeschichte und Gepflogenheiten nicht kennen und noch wacker an ihren Deutschkenntnissen feilen müssen.

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