Sieben Franzosen und ein Schweizer wurden nach einer Gruppenvergewaltigung auf Mallorca zu einer Gesamtstrafe von 73 Jahren verurteilt. Wie viel davon auf die einzelnen Täter entfällt, bleibt unklar.
Blick zeigt Archivbilder von der Festnahme nach der Tat 2023. Auf einem ist ein Mann dunkler Hautfarbe zu sehen mit der Bildlegende: «Samuel E. und seine Komplizen müssen hinter Gitter.» Schon in früheren Berichten vor dem Urteil war derselbe Mann als der Schweizer in der Gruppe gezeigt worden.
Montage der Weltwoche
Nun gibt es Schweizer Staatsbürger mit unterschiedlichster Herkunft und Hautfarbe. Dennoch könnte im vorliegenden Fall die Bezeichnung «Schweizer» zumindest unvollständig sein. Dann beispielsweise, und darauf deutet einiges hin, wenn ein Migrationshintergrund vorliegt. Auf diesen kann man aber bei den anderen Medien nicht schliessen. Denn ihnen scheint es wichtig zu sein, dass sich der Schweizer in der Gruppe gar nicht erst klar identifizieren lässt.
20 Minuten zeigt den Mann mit dunkler Hautfarbe zwar ebenfalls, aber mit einer allgemeinen Bildlegende, die Bezug nimmt auf die ganze Tätertruppe. Man erfährt nicht, dass es sich bei ihm um den verhafteten Schweizer handelt. Andere Medien wie Watson oder der Tages-Anzeiger verzichten ganz darauf, die (verpixelten) Bilder der Täter zu zeigen.
Die Zurückhaltung erstaunt. Immerhin ist die Tatbeteiligung eines Schweizers der einzige Bezug der hiesigen Medien zu den Ereignissen. Warum zeigt man ihn nicht, wenn die Bilder vorliegen?
Vielleicht wollen viele Journalisten einen Schweizer Gewaltverbrecher nur dann in Szene setzen, wenn er möglichst einheimisch aussieht. Aber auf keinen Fall, wenn Fragen nach seiner ursprünglichen Herkunft aufkommen könnten.