Unmittelbar vor dem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Washington hat US-Präsident Donald Trump die Verantwortung für ein mögliches Kriegsende in Kiew verortet. In einem nächtlichen Beitrag auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social erklärte Trump am Sonntag: «Präsident Selenskyj kann den Krieg mit Russland fast sofort beenden, wenn er will, oder weiterkämpfen.» Er erinnerte an die Annexion der Krim während der Präsidentschaft von Barack Obama und stellte klar: «Kein Nato-Beitritt der Ukraine.»
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Das Signal: Washington erwartet Kompromissbereitschaft – notfalls auch territorial. Bereits zuvor hatte Trump angedeutet, dass Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem Deal bereit sei, sofern Kiew die Donbass-Region – teils noch unter ukrainischer Kontrolle – aufgibt. Die Biden-Regierung hatte solche Szenarien stets abgelehnt, Trump hingegen sucht den direkten Deal: Frieden statt Waffenstillstand.
Selenskyj reagierte postwendend via X: «Frieden muss dauerhaft sein. Nicht wie damals, als wir die Krim und Teile des Donbass aufgeben mussten – das war nur ein Sprungbrett für Putins nächsten Angriff.» Zudem erinnerte er an die unzuverlässigen Sicherheitsgarantien des Budapester Memorandums von 1994.
Das Treffen am Montag im Weissen Haus wird von europäischen Spitzenpolitikern begleitet: Von der Leyen, Merz, Macron, Meloni, Starmer und Stubb sollen sicherstellen, dass der Westen geschlossen auftritt, wie Politico schreibt. Trump zeigte sich derweil demonstrativ gelassen: «Noch nie waren so viele europäische Führer gleichzeitig im Weissen Haus. Eine grosse Ehre!» Am vergangenen Freitag hatte Trump bereits den russischen Präsidenten Putin in Alaska empfangen. Beim heutigen Treffen mit Selenskyj wird sich zeigen, ob daraus konkrete Schritte für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Kriegs erwachsen können.