Der Heiligenschein mag zwar ein wenig stockfleckig sein, aber noch immer lauscht die westliche Welt, wenn Wolodymyr Selenskyj spricht. Brav verbreiten die Medien seine Worte. Hier ist ein Mann, der heilige westliche Werte verteidigt.
Ausser wenn er es nicht tut. Wenn er jeden Russen zum Freiwild erklärt, zum Kriegsverbrecher, der – so die Unterstellung – straflos getötet werden darf. Oder wie soll man diese Bemerkung in einem Interview verstehen, das der Staatschef dem russischen Oppositionsorgan Meduza gab?
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«Russen, die Steuern zahlen und so den Krieg unterstützen, oder die für den Krieg eingezogen werden, sind unmittelbar Kriminelle.»
Eine erstaunliche Logik, mit der Selenskyj Angriffe auf zivile Ziele in Russland legitimiert. Eine Logik zudem, für die es ein Vorbild gibt – Osama Bin Laden.
In einem «Brief an das amerikanische Volk» rechtfertigte das Terror-Mastermind Anschläge auf Zivilisten, weil «die Amerikaner diejenigen sind, die die Steuern zahlen, mit denen die Flugzeuge finanziert werden, die uns in Afghanistan bombardieren, die Panzer, die unsere Häuser in Palästina angreifen und zerstören».
Bin Ladens Brief erntete die Abscheu, die er verdiente. Selenskyjs Äusserungen ernten gar nichts – weil sie verschwiegen werden. Sonst fiele es ja noch schwerer zu rechtfertigen, warum sich die Europäer verschulden, um sein Regime weiter zu stützen.