Selenskyj und seine Million Soldaten: Der ukrainische Präsident plant eine Mega-Armee dafür, die Südukraine zurückzuerobern. Ist das realistisch?
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Selenskyj und seine Million Soldaten: Der ukrainische Präsident plant eine Mega-Armee dafür, die Südukraine zurückzuerobern. Ist das realistisch?

Selenskyj kann sicherlich jeden Ukrainer bewaffnen, wenn er das politisch will, um eine 1-Million-Mann-Armee auf die Beine zu stellen.

Trotz ihres Widerstandswillens sind Kampfkraft und Gefechtswert einer solchen Millionen-Armee jedoch angesichts der Überlänge der Frontlinie und der militärischen Überlegenheit Russlands mehr als zweifelhaft.

Mengenmässig, auf dem Papier, wäre dieses Szenario möglich. Es handelte sich dann aber nicht um eine Streitmacht, die eine grossangelegte Gegenoffensive starten kann, wie Selenskyj das geplant hat.

Selenskyj und seine Million Soldaten: Der ukrainische Präsident plant eine Mega-Armee dafür, die Südukraine zurückzuerobern. Ist das realistisch?

Die Süd- und Ostukraine zurückzuerobern, halte ich für illusorisch.

Möglich wäre ein Untergrund-Krieg, der totale Widerstand. Der Krieg zieht sich dann in die Länge. Und ich habe Zweifel, ob dies die ukrainische Gesellschaft aushalten würde.

Für mich ist Selenskyjs Vorhaben eine politische Absichtserklärung, die militärisch – mit Blick auf nicht verfügbare mechanisierte Gegenangriffskräfte – unrealistisch ist.

Die Russen haben schliesslich ganz klar die Eskalations-Dominanz im Operationsgebiet, sie haben weitgehend die Luftherrschaft und ihre logistische Basis quasi unmittelbar hinter sich.

Das heisst, Russland kann so viele Flugzeuge, Kampffahrzeuge und Männer ins Kriegsgebiet nachziehen, wie es will; für die Ukraine ist das so nicht möglich.

Nach der Eroberung von Luhansk ist Putin nun dabei, Donezk zu besetzen. Ich bin mir sicher, dies wird gelingen. Und danach wird die russische Armee unter Umständen sogar weiter bis zum Dnjepr vorstossen und möglicherweise Odessa einnehmen.

Die Ukraine wäre dann in einen Rumpfstaat verwandelt, der gänzlich auf die russische Zusammenarbeit angewiesen ist.

Die einzige Chance für die Ukraine ist: den Konflikt in die Länge zu ziehen, in einen Guerilla-Modus zu wechseln – mit Hilfe westlicher Waffenlieferungen.

Der Ukraine muss es darauf ankommen, den Krieg zu verlängern, um in eine möglichst gute Verhandlungs-Position zu kommen.

Darin – und nicht in einem militärischen Sieg der Ukraine über die Nuklearmacht Russland, der unrealistisch ist – besteht für mich auch der Sinn unserer militärischen Unterstützungsleistung.

Eine Verlängerung des Krieges bedeutet aber auch die komplette Verwüstung der Ukraine und die ständig drohende Eskalation in einem Nuklearkrieg, der das Ende Europas wäre, so, wie wir es kennen.

Unter dem Strich ist es daher besser, den Weg der militärischen Eskalation zu verlassen und diplomatische Initiativen zur Kriegsbeendigung anzugehen.

 

Erich Vad ist Brigadegeneral ausser Dienst. Er war zwischen 2006 und 2013 militärpolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ist heute Inhaber der Beratungsfirma Erich Vad Consulting.
Protokolliert: Roman Zeller
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