Nach einem der schwerwiegendsten Datenlecks in der Geschichte des britischen Verteidigungsministeriums hat die Regierung heimlich Tausende Afghanen ins Vereinigte Königreich gebracht. Die Betroffenen hatten sich laut CNN um Aufnahme bemüht, weil sie für britische Behörden oder das Militär gearbeitet hatten. Ihre persönlichen Daten – rund 25.000 Namen – wurden jedoch bereits im Februar 2022 versehentlich offengelegt und gelangten offenbar in die Hände der Taliban. Eine gerichtliche Sperrverfügung verhinderte bis Juli 2025 jede Berichterstattung.
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Wie jetzt bekannt wurde, enthielt das durch einen Royal Marine versehentlich verschickte Dokument nicht nur Informationen über afghanische Antragsteller, sondern auch über hundert britische MI6-Agenten und Spezialkräfte, die als Bürgen eingetragen waren. Ihre Identitäten zählen zu den bestgehüteten Geheimnissen des Vereinigten Königreichs. «Es ist magenschmerzhaft», sagte der frühere Veteranenminister Johnny Mercer. «Diese Daten könnten den Taliban in die Hände gefallen sein.»
Aus Furcht vor Vergeltung durch die Islamisten richtete die damalige konservative Regierung ein geheimes Umsiedlungsprogramm ein. Rund 4500 Afghanen wurden bereits heimlich nach Grossbritannien gebracht – mit erwarteten Gesamtkosten von bis zu sieben Milliarden Pfund, wie The Telegraph berichtet. Insgesamt sollen über 16.000 Menschen infolge des Lecks aufgenommen worden sein, einige davon über bestehende Programme.
Verteidigungsminister John Healey entschuldigte sich im Parlament: «Dieses schwerwiegende Datenleck hätte niemals passieren dürfen.» Weitere Asylanträge aus Afghanistan lehnt die Regierung trotz des Skandals ab – es gebe laut Behörden «kaum Hinweise» auf gezielte Vergeltung durch die Taliban.