Es ist ein Anschlag auf die konservative Jugend Amerikas. Niemand hat sie derart verkörpert und mobilisiert wie Charlie Kirk, 31.
Der Aktivist und Gründer der konservativen Jugendorganisation «Turning Point USA» wurde in Utah, dem geografischen Herzen der USA, von einer bislang unbekannten Täterschaft erschossen.
An einem Ort, wo er sich zuhause fühlte: auf dem Campus der Utah Valley University in Orem. Mitten in der Debatte mit jungen Menschen. «Debattiere mit jedem, überall und jederzeit auf professionelle Weise» – dieses Credo lebte Kirk wie kein zweiter im heutigen Amerika.
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Er wählte für seine Auftritte öffentliche Plätze und Foren. Seine Lieblingsarena war der Campus. Er schlug sein Debattenzelt an den Unis im ganzen Land auf, wo sich seit Jahren linke Ideologie ausbreitet wie Lauffeuer.
Kirk gab Konter. Er ventilierte Frischluft in den Gelehrtenbetrieb. Er liess das Prinzip der freien Meinungsäusserung aufleben, ohne das eine funktionierende Demokratie erstickt wie der Mensch ohne Sauerstoff.
Kirk scharte sein Publikum um einen Tisch – den «Beweise-mir-das-Gegenteil-Tisch», wie er ihn nannte. Im Gespräch forderte er die Zuschauer mit Fragen heraus. «Er war wie Sokrates, er stellte Fragen, und das mit einem Lächeln», so ein Kommentator nach Kirks Tod.
Dabei hat er seine Werte stets ostentativ nach aussen getragen: seinen Glauben an Gott. Seinen Patriotismus. Seine Ablehnung des Gender-Wahns. Seinen Einstand für sichere Grenzen und Widerstand gegen unkontrollierte Einwanderung und Kriminalität.
Viele ertrugen Kirks konservative Stimme nicht. Er wurde angefeindet. Kirk liess sich einschüchtern. Er doppelte nach: «Bekämpfe Hassreden mit mehr Meinungsfreiheit» war seine Lösung.
Kirk war ein Frühberufener. Kurz nach der Wiederwahl von Präsident Barack Obama gründete er im Alter von 18 Jahren «Turning Point USA». Die gemeinnützige Organisation hatte zum Ziel, «die Prinzipien der finanzpolitischen Verantwortung, der freien Märkte und einer begrenzten Regierung zu fördern». Heute unterhält «Turning Point USA» Ortsgruppen an mehr als 850 Colleges.
Kirk spielte eine Schlüsselrolle bei den Bemühungen, junge Wähler für Trump und andere republikanische Kandidaten zu mobilisieren. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass Trump die Wiederwahl zum Präsidenten schaffte.
Entsprechend gross sind Lob und Würdigung, die Trump nun ausspricht.
«Charlie hat Millionen inspiriert», so Trump in einer vierminütigen Ansprache an die Nation. «Er ist ein Märtyrer für Wahrheit und Freiheit, und es gab noch nie jemanden, der von der Jugend so sehr respektiert wurde.»

Trump verurteilte die Linke und die Medien dafür, dass sie diejenigen «verteufeln», mit denen sie nicht einer Meinung sind. «Seit Jahren vergleichen radikale Linke wunderbare Amerikaner wie Charlie mit Nazis und den schlimmsten Massenmördern und Verbrechern der Welt. Diese Art von Rhetorik ist direkt verantwortlich für den Terrorismus, den wir heute in unserem Land erleben, und sie muss sofort aufhören.»
Gewalt gegen Politiker und Aktivisten gibt es in den USA auf beiden Seiten. Doch Konservative werden auffällig oft ins Visier genommen.
2017 wurde der republikanische Abgeordnete Steve Scalise beim Angriff auf eine Gruppe von republikanischen Abgeordneten angeschossen und überlebte knapp.
2022 wurde ein Attentat gegen Brett Kavanaugh, Richter am Supreme Court, vereitelt. Der Attentäter hatte Anstoss genommen an Kavanaughs Haltung in der Abtreibungsfrage.
Zweimal trachteten Attentäter nach dem Leben von Donald Trump. Nun traf es Charlie Kirk, den «Champion of free speech».
Beileid kam postwendend von allen Seiten. Auch von Joe Biden. Und vom Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom.
Doch die Radikalisierung ist längst vorangeschritten. Und manifestiert sich selbst im Moment der Trauer.
Kirks Leiche war noch warm, als linke Aktivisten den Mord an ihrem ideologischen Feind zu feiern begannen. «Kirks Gegner zeigen damit offen, dass ihnen ein Menschenleben nichts wert ist, wenn das Opfer eine andere Haltung hatte als sie.»
Der Hass auf den konservativen Bannerträger hat mit der Mobilisierung in den Massenmedien zu tun. Wie bei Trump nimmt das Gros der Medien seinen Auftrag nicht ernst: sich ohne Schlagseite mit einem Phänomen zu beschäftigen und in allen Facetten darüber zu berichten.
Über Zohran Mamdani, den sozialistischen und anti-israelischen Kandidaten für das Bürgermeisteramt in New York, wird mit Wohlwollen berichtet. Derweil beschäftigte sich kaum ein Mainstream-Journalist ernsthaft mit dem Phänomen Charlie Kirk. Selbst Reporter, die ihn aus der Nähe beobachteten, operierten mit Negativ-Begriffen und schrieben mit diskreditierender Feder.
«Der Rechte, der Amerikas Jugend radikalisiert», titelte die deutsche Wochenzeitung Die Zeit jüngst eine Reportage über den jungen Shootingstar. «Charlie Kirk predigt Hass, verkauft Patriotismus.»
Stunden nach dem Attentat titelte dasselbe Blatt unschuldig: «Eskalation und Ohnmacht» – «Die USA sind erschüttert. Und die Sorge vor weiterer Gewalt ist gross.»
Kirks konservative Stimme wurde für immer zum Schweigen gebracht. Seine Mitstreiter sind alarmiert. «Sie sind im Krieg gegen uns», sagte Jesse Watters, populärer Moderator auf Fox News. «Wie viel politische Gewalt werden wir tolerieren?»
Er rief dazu auf, im Geiste Kirks auf dem eingeschlagenen Pfad weiterfahren. «Das ist ein Wendepunkt, und wir wissen, in welche Richtung wir gehen.»