Die Schweizer Wirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen. Die Welt driftet auseinander, in der Schweiz will die Linke den Sozialstaat immer weiter ausbauen, und die übermächtige Verwaltung nutzt jede Chance für weitere Regulierungen. Gleichzeitig gelingt es der Wirtschaft je länger desto weniger, die Bevölkerung von ihren Anliegen zu überzeugen – Autobahnausbau, 13. AHV-Rente oder BVG-Reform lassen grüssen.
Genug Arbeit für Economiesuisse, den wichtigsten Wirtschaftsverband des Landes – könnte man meinen.
Doch offenbar sehen das die Verantwortlichen anders. Mit aufwendigen Tiktok-Videos einer jungen Mitarbeiterin von Economiesuisse versucht die Organisation Stimmung bei den Jungen für den EU-Anbindungs-Vertrag zu machen. Der Tages-Anzeiger schreibt: «Sie», die 23-jährige Icela Etete, «soll Economiesuisse cool machen.» Als «Stimme der Wirtschaft für die Generation Z».
Und das geht dann etwa so: Das sehnlichst erwünschte Abkommen mit Brüssel wird mit hohlen Sprüchen wie «Die Bilateralen bieten uns Frauen viele Chancen. Bist du auch dabei?» beworben. Oder: «Gute Beziehungen sind für uns alle wichtig.» Und: «Dank den Bilateralen kann ich als Studentin viel einfacher in Rom studieren.»
@economiesuisse Frauen für die Bilateralen. Wir verschaffen uns Gehör und machen uns für eine solide Europapolitik stark. 🚪✨💪 #FrauenFürDieBilateralen #StarkVernetzt #SchweizEU #ZukunftGestalten #GemeinsamStark ♬ Originalton - Wirtschaft. Wir alle.
Die Frage sei erlaubt: Setzt Economiesuisse wirklich die richtigen Prioritäten? Muss der Wirtschaftsverband wirklich «cool» sein – oder werden? Oder sollte es nicht an erster Stelle um die Schweiz gehen? Wirtschaft statt Zeitgeist?
Kein Wunder, wenn der Einfluss und das Ansehen dieser Truppe bei vielen Menschen weiter im Tiefflug sind.
Dazu kommt, was die junge Frau vielleicht nicht weiss, aber zumindest die Verantwortlichen von Economiesuisse wissen müssen: Beim geplanten EU-Vertrag geht es nicht um die Fortführung des bilateralen Verhältnisses, sondern um eine institutionelle Einbindung der Schweiz. Tiktok hin oder her. So viel Ehrlichkeit sollte sein.