Die Stimmung zwischen der Schweiz und Italien rund um die Aufarbeitung der Brandkatastrophe von Crans-Montana ist gekippt. Die Regierung Meloni in Rom hat ihren Botschafter in der Schweiz einbestellt. Italienische Medien fahren eine regelrechte Hetzkampagne gegen die Schweiz. Bei der juristischen wie politischen Aufarbeitung der Katastrophe werde geschlampt und zu wenig gemacht, lauten die harschen Vorwürfe der südlichen Nachbarn.
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Während vom Schweizer Aussenminister, dem als Italiener geborenen Bundesrat Ignazio Cassis, dazu nichts zu hören ist, springen andere Tessiner Politiker für die Schweiz in die Bresche. Die Nationalräte Piero Marchesi (SVP) sowie Alex Farinelli (FDP) bieten den Italienern Paroli. Der zurückgerufene Botschafter könne von ihm aus ruhig in Rom bleiben und dort seine pasta amatriciana essen, sagte Farinelli im Tessiner Fernsehen.
Zudem hat der Mitte-Nationalrat Giorgio Fonio eine Anzeige gegen einen italienischen Journalisten eingereicht. Dieser soll den Tessiner Politiker auf Facebook als «Mordkomplizen» bezeichnet haben, berichtet Le Temps. Die Tessiner Nationalräte werfen den italienischen Medien vor, mit der Brandkatastrophe vor allem Aufmerksamkeit generieren zu wollen.
Wie oberflächlich man in Italien bisweilen mit den Fakten umgeht, zeigt eine Episode aus der Talk-Sendung «Dritto e rovescio» auf dem Sender Rete 4 (Mediaset) vom letzten Freitag. Der Moderator und Journalist Paolo Del Debbio macht sich dort über die finanzielle Ersthilfe des Kantons Wallis lustig. Die Walliser Regierung hatte jedem Opfer einen Pauschalbetrag von 10.000 Franken zugesprochen. Damit sollen die Angehörigen den Verwaltungsaufwand, die Reisespesen sowie Kost und Logis der ersten Wochen etwas abfedern können.
Weil Del Debbio den Betrag und die Soforthilfe so darstellt, als würde es die Schweiz bei dieser Summe belassen, und weitere Hilfsmassnahmen erst gar nicht erwähnt, sah sich der dazugeschaltete Tessiner Ex-Ständerat Filippo Lombardi gezwungen, auf die ihm eigene Art den Journalisten zu korrigieren. «Sie verzapfen Unsinn», schreit Lombardi in das Mikrofon. Moderator Del Debbio lässt Lombardi auflaufen, das Gespräch eskaliert.
Womöglich ist Lombardi mit diesem Wutausbruch den italienischen Medien auf den Leim gekrochen – Spektakel war garantiert. Andererseits tut es aus Schweizer Sicht gut, mal einen hiesigen Politiker zu sehen, der sich für die Interessen der Eidgenossenschaft einsetzt. Lombardi verteidigt die Schweiz wie ein Löwe. Bleibt zu hoffen, dass dies auch die Bundesräte sehen.