George Simion heisst der haushohe Gewinner der ersten Wahlrunde bei den Präsidentschaftswahlen in Rumänien. Die Auguren sagten ihm den Sieg voraus. Der fiel mit 41 Prozent höher aus als erwartet.
Simion gewann in 36 der 41 rumänischen Bezirke, darunter auch in dem des derzeitigen sozialdemokratischen Premierministers Marcel Ciolacu.
«Bei dieser Wahl geht es nicht um den einen oder anderen Kandidaten, sondern um jeden Rumänen, der belogen, ignoriert und gedemütigt wurde und trotzdem die Kraft hat, an unsere Identität und unsere Rechte zu glauben und sie zu verteidigen», schrieb Simion am Freitag auf X.
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Rückblende: Im Dezember hatte das Verfassungsgericht die Präsidentschaftswahlen in letzter Minute annulliert. Der Überraschungssieger Calin Georgescu wurde disqualifiziert und für Neuwahlen gesperrt.
Er wurde als «Putins Mann» bezeichnet. Vorwürfe russischer Einmischung und des Wahlbetrugs wurden vorgebracht. Allerdings ohne der Öffentlichkeit klare Beweise vorzulegen. Was das Misstrauen vieler Rumänen in das politische System schürte.
«Ein Staatsstreich ist im Gang», sagte Simion im Interview mit der Weltwoche. Und er rief zu friedlichem Protest auf. Man müsse das System friedlich «wie Gandhi» zu Fall bringen.
Nach dem erzwungenen Ausscheiden Georgescus trat Simion von der Allianz für die Vereinigung der Rumänen (AUR) in dessen Fussstapfen als Kandidat für nationalkonservative Interessen.
Am Wahltag zeigte sich Simion mit Georgescu bei der Stimmabgabe.
Simion ist wie Georgescu bei Mainstream-Medien schlecht angeschrieben. So etikettiert man ihn etwa als «Rechtsextremisten». Auch gegen Simion wurden Vorwürfe laut, er sei ein Trojanisches Pferd Putins, wolle die Nato schwächen und die EU torpedieren.
Simion dementiert die Vorwürfe und stellte nach seinem Sieg am Sonntag noch einmal klar: Er setze sich für eine starke Nato ein.
«Ich bin der einzige Kandidat, der garantieren kann, dass die US-Truppen in Rumänien bleiben, wo sie nicht nur als Verbündete, sondern auch als Schutzschild für unsere Souveränität und für die Stabilität in ganz Osteuropa dienen.»
Das Land verfügt über einen US-Raketenabwehrschild und drei grosse Luftwaffenstützpunkte, von denen aus die Nato Einsätze fliegt. Rumänien ist ein Schlüsselland für den Transit von Waffen nach und Getreidetransporte aus der Ukraine.
Simion unterstützt die Friedensverhandlungen in der Ukraine und plädiert für eine Ende rumänischer Waffenlieferungen an das Nachbarland.
Am 18. Mai findet die Stichwahl statt. Dort tritt Simion gegen den zweitplatzierten Bukarester Bürgermeister Nicușor Dan (21 Prozent) treffen wird. Auguren gehen davon aus, dass sich die Verlierer gegen Simion vereinen werden, um ihn als Präsidenten zu verhindern.
Die Wahlen werden besonders in Brüssel mit Argusaugen verfolgt. EU-Spitzen hatten sich für Disqualifikation von Georgescu sowie Neuwahlen ausgesprochen.
Simion sagte nach dem Wahlsieg, er wolle das Vertrauen zu Brüssel wiederherstellen. Sollte er Präsident werden, sei ein Austritt aus der EU nicht das Ziel.
«Die EU reformieren zu wollen, bedeutet nicht, sie verlassen zu wollen», sagte er. «Wir glauben an eine Europäische Union, die als Sammelbecken für ihre vielfältigen und souveränen Nationen gedeiht – und nicht als starres System, das eine einheitliche Politik durchsetzt.»