Sind die geschnitzten Mohrenporträts im Zürcher Schulhaus Hirschengraben diskriminierend? Ein Gutachten verneint, empfiehlt aber Hintergrundarbeit und pädagogische Vermittlung
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Sind die geschnitzten Mohrenporträts im Zürcher Schulhaus Hirschengraben diskriminierend? Ein Gutachten verneint, empfiehlt aber Hintergrundarbeit und pädagogische Vermittlung

Die Aula im dritten Stock des 1893 eröffneten Schulhauses Hirschengraben in Zürich ist prachtvoller architektonischer Höhepunkt, in neuerer Zeit aber auch öffentliches Sorgenkind. Denn die verzierte Gewölbedecke aus Holz mit dem gigantischen Kronleuchter enthält als Zeugnis der Kolonialzeit des Fin de Siècle auch geschnitzte Figurenköpfe verschiedener «Völkerschaften».

Sind die geschnitzten Mohrenporträts im Zürcher Schulhaus Hirschengraben diskriminierend? Ein Gutachten verneint, empfiehlt aber Hintergrundarbeit und pädagogische Vermittlung

Ein Bericht «Möglichkeiten zum Umgang mit kolonialen Spuren im Stadtraum» hat 2021 eine Aufarbeitung der 16 Köpfe empfohlen, die acht Völkerpaare aus aller Welt symbolisieren. Die Stadt Zürich hat das Atelier Jung unter Leitung des renommierten Historikers Prof. Dr. Joseph Jung mit einem Gutachten beauftragt. Diese jetzt veröffentlichte sorgfältige Analyse kommt zu differenzierten und durchaus vernünftigen Schlüssen.

Die Darstellungen seien nicht als diskriminierend zu bewerten, da sie stilistisch einheitlich, ohne karikierende Merkmale oder Hierarchisierung ausgearbeitet wurden. Kein Figurenpaar werde gegenüber anderen hervorgehoben oder herabgesetzt. Auch die Geschlechterdarstellung sei gleichwertig. «Alle Köpfe sind vom gleichen Holz», halten die Gutachter fest. Die Aula Hirschengraben bilde ein kulturgeschichtliches Zeugnis, dem sogar internationale Bedeutung zukomme.

Schüler, Lehrer wie Dritte nähmen die Figuren überwiegend spielerisch, nicht als problematisch wahr. Historiker Joseph Jung hält fest: «Die Figuren sind stereotyp, aber nicht herabwürdigend. Alle sind als ‘fremde’ Exoten dargestellt – auch die Germanen. Die Gleichbehandlung ist konzeptionell klar gegeben.»

Das Gutachten regt einen bewussten Umgang an und gibt folgende Empfehlung ab: Die Figuren sollen erhalten, aber durch Informationen wie Tafeln oder QR-Codes kontextualisiert werden. Zugleich soll das Schulhaus Hirschengraben als Lernort für Erinnerungskultur gestärkt werden – durch Unterrichtsmaterialien, didaktische Begleitung und partizipative Formate wie Workshops oder Ausstellungen.

Die Stadt Zürich folgt diesen Empfehlungen und prüft deren Umsetzungsmöglichkeiten: «Das Schulhaus Hirschengraben soll als öffentlicher Erinnerungs- und Bildungsort erhalten und weiterentwickelt werden.»

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.