Es sieht aus wie ein verunglücktes TV-Interview mit AfD-Chefin Alice Weidel und ist doch ein politisches Sittengemälde für Deutschland und seinen Kulturkampf.
Während alle anderen ARD-Interviews am selben Ort mitten in Berlin reibungslos über die Bühne gehen, können sich Weidel und Moderator Markus Preiss am zurückliegenden Sonntag nicht ungestört unterhalten: Linke Aktivisten versuchen das Interview mit Lärm zu stören. Krach statt Argumente. Ein Paradebeispiel für den «Kampf gegen rechts», wie er seit Jahren in Deutschland läuft.
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Die Polizei, die unangemeldete Demonstrationen – noch dazu im «befriedeten Bezirk» (Bannmeile) rund um den Reichstag eigentlich unterbinden müsste, sieht weg, ist verunsichert, ob man ihr «Steigbügelhalten» für die AfD nachsagen könnte. Die ARD-Techniker, die jährlich Milliarden von Zwangsgebühren erhalten, stellen weder die Nahmikrofone vernünftig ein, so dass die Zuschauer einen sauberen Ton bekommen, noch ermöglichen sie den Gesprächspartnern durch noise cancelling, das heute jeder Normalbürger im Ohrhörer hat, eine zivilisierte Konversation.
Man kann das fröhliche Feixen der Senderverantwortlichen über die Störer geradezu durch die Gänge des nahegelegenen Hauptstadtstudios hallen hören, die das unwürdige Spiel als tapferes Zeichen «gegen rechts» einfach laufen lassen. Und am Ende muss die AfD gar nichts tun, damit auch der Letzte begreift, dass hier einem missliebigen politischen Akteur maximal unfair mitgespielt wird.
Brüllen als Argument, ein verunsicherter Rechtsstaat, mediale Helfer zwischen Aktivismus und Hilflosigkeit und am Ende ein Punktsieger: AfD. Ein winziger Moment im fliessenden Zeitgeschehen, der den Untergang der deutschen Nachkriegsordnung mit seiner Konsenskultur illustriert und symptomatisch steht für einen Überwältigungskampf der politischen Lager, der verbissen in allen Ebenen der Gesellschaft geführt wird und zu düsteren Vorahnungen berechtigt.