EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen steht erneut in der Kritik wegen gelöschter SMS-Nachrichten. Laut einem Sprecher der Kommission würden die Mitteilungen auf von der Leyens Handy «automatisch gelöscht – aus Speicherplatzgründen», berichtet Politico. Für Experten aus der Tech-Branche ist diese Erklärung nicht glaubwürdig.
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«Das klingt süss, ist aber schwer zu glauben. Seien wir nicht albern – es ist nicht mehr die 1990er-Jahre», kommentierte Lukasz Olejnik, Cybersicherheitsexperte am King’s College London. Auch der belgische Hacker Inti De Ceukelaire sprach von einem «Nicht-Argument»: Textnachrichten benötigten kaum Speicherplatz, und wer tatsächlich Platzprobleme habe, solle einfach auf ein Gerät mit mehr Kapazität wechseln. Francisco Jeronimo vom Analysehaus IDC nennt die Begründung der Kommission «nicht nachvollziehbar».
Auslöser der neuerlichen Debatte war ein SMS-Austausch zwischen von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Darin soll Macron die Kommissionschefin gedrängt haben, das EU-Mercosur-Abkommen zu blockieren. Die Nachricht verschwand – wie schon frühere SMS-Kontakte von der Leyen, etwa mit Pfizer-Chef Albert Bourla während der Pandemie, die unter dem Stichwort «Pfizergate» europaweit Wellen schlugen.
Die Kommission verteidigt das automatische Löschen mit Sicherheitsüberlegungen: Es verringere das Risiko von Datenlecks. Doch Kritiker sehen darin vor allem einen Angriff auf Transparenz und demokratische Rechenschaftspflicht. «Für die Sicherheit ist das nützlich – aber nicht für die öffentliche Kontrolle», so Olejnik.
Der Europäische Bürgerbeauftragte hat eine Untersuchung eingeleitet – nicht nur zu Pfizergate, sondern nun auch zum verschwundenen Macron-SMS.