Knapp acht Wochen nach Inkrafttreten des australischen Social-Media-Verbots für unter 16-Jährige zeigt sich ein gemischtes Bild: Während einige Jugendliche neue Wege der Offline-Kommunikation entdecken, umgehen andere die Regeln mit Leichtigkeit – und erschliessen sich dabei teils fragwürdige Inhalte.
Die sogenannte eSafety-Kommission meldete jüngst, dass rund 4,7 Millionen Accounts seit Einführung der Altersgrenze deaktiviert oder markiert wurden. Doch eine erste Bilanz zeigt: Das Verbot ist für viele Jugendliche längst kein Thema mehr – weil es entweder kaum Einschränkungen bringt oder gezielt umgangen wird, berichtet der britische Guardian.
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Die 14-jährige Sarai Ades etwa berichtet, sie habe kurz vor Inkrafttreten des Gesetzes alte Konten gelöscht und neue mit gefälschtem Alter angelegt. Seither habe sie «ungefilterten Zugang zu Inhalten», was sie zunächst schockierte: «Ich sehe mehr Videos über geopolitische Krisen und Gewalt.» Aus ihrer Sicht sei das ein Gewinn – doch sie warnt zugleich: «Niemand wurde verifiziert, kein Ausweis, kein Check. Es war fast komisch, wie einfach es ging.»
Anders die 13-jährige Pia Monti: Sie nutzt ohnehin nur WhatsApp und Pinterest. Der Bann sei für sie irrelevant. «Ich merke keinen Unterschied, ich brauche keine Accounts, um Inhalte zu finden», erklärt sie.
Einigen Jugendlichen bescherte das Gesetz sogar unerwartete soziale Nebeneffekte. So meint Ewan Buchanan-Constable (15), dass der Austausch von Handynummern neue Freundschaften gefördert habe. Kritisch sieht er allerdings den finanziellen Aufwand: «Statt Kinder zu regulieren, hätte man Plattformen regulieren sollen.»
Andere wie Emma Williams (15) oder Grace Guo (14) haben sich arrangiert – mit Netflix, Whatsapp oder mehr persönlichen Begegnungen. «Die meisten reden gar nicht mehr darüber», sagt Grace. «Es fühlt sich nicht wie ein grosses Ding an.»
Während Frankreich, Malaysia oder auch Deutschland ähnliche Modelle diskutieren, bleibt die australische Politik zurückhaltend optimistisch: Die «Kultur der Online-Nutzung» soll verändert werden – auch wenn der Erfolg, wie eSafety-Chefin Julie Inman Grant warnt, «Jahre dauern» könnte.