Nach der tödlichen Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 41 Toten und 115 Verletzten gerät die politische und juristische Aufarbeitung zunehmend unter Druck. Im Zentrum der Kritik steht insbesondere die Gemeinde, deren Versäumnisse nun offen zutage treten, schreibt Sonntagszeitungs-Chef Arthur Rutishauser. Er schreibt: «In Crans-Montana müssen endlich Köpfe rollen».
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Die Ermittlungen zeigen laut Behörden, dass zentrale Sicherheitsvorschriften über Jahre hinweg nicht konsequent kontrolliert wurden. Gleichzeitig wird gegen den Barbetreiber Jacques Moretti unter anderem wegen möglicher Geldwäscherei ermittelt.
Das Unglück ereignete sich in der Bar «Le Constellation», die innerhalb weniger Sekunden vollständig ausbrannte. Nach bisherigen Erkenntnissen wirkten mehrere Faktoren zusammen: brennbares Material im Innenausbau, ein verriegelter Notausgang und eine abgeschlossene Hintertür. Viele der Gäste im Untergeschoss hatten keine Fluchtmöglichkeit. Moretti machte in den Wochen danach widersprüchliche Angaben zur Herkunft der verwendeten Materialien. Trotz der Schwere der Vorwürfe kam er zunächst frei, was international – insbesondere in Italien – für Kritik sorgte.
Im Fokus steht zunehmend auch das Verhalten der lokalen Behörden. Dokumente zeigen, dass Kontrollen unzureichend durchgeführt wurden und zuständige Stellen teilweise nicht über das nötige Fachwissen verfügten. Ressourcen für Sicherheitsaufgaben seien knapp gehalten worden.
Besonders brisant ist die Rolle von Gemeindepräsident Nicolas Féraud. Gegen ihn wird inzwischen wegen mutmasslicher Pflichtverletzungen ermittelt. Er soll zentrale Aufsichtspflichten vernachlässigt haben. Féraud hatte sich zunächst öffentlich geäussert, bevor er wegen möglicher Interessenkonflikte in den Ausstand trat.
Die Affäre belastet auch die nationale Politik. Bundesrat Beat Jans kritisierte ausländische Reaktionen auf das Verfahren, nachdem Italiens Regierung interveniert hatte. Gleichzeitig mehren sich Zweifel am Krisenmanagement der Behörden.
Die Staatsanwaltschaft treibt die Ermittlungen voran. In den kommenden Tagen soll Féraud einvernommen werden. Der Fall entwickelt sich zunehmend zu einer Belastungsprobe für Justiz und Politik.