Während der deutsche Mainstream die AfD reflexhaft als «Spaltpilz» der Republik verketzert, offenbart ein Blick auf die Entstehungsgeschichte dieser Partei etwas ganz anderes. Die AfD ist das eigentliche, das faszinierendste parteipolitische Produkt der deutschen Wiedervereinigung.
Die Weltwoche hat sich intensiv mit den Ursprüngen befasst – etwa im Gespräch mit einem der Gründer, Bernd Lucke. Die AfD wurde nicht von oben eingepflanzt, sie ist organisch gewachsen – aus dem Westen heraus, initiiert von Professoren, Akademikern, konservativen Publizisten, die mit der Euro-Rettungs-Politik unzufrieden waren.
SILAS STEIN / KEYSTONE

Was dann geschah, ist historisch einmalig: Diese Schöpfung von westdeutschen Euro-Skeptikern wanderte in den Osten, wurde dort massiv erfolgreich, ja zum Teil dominierend, und wächst nun mit Wucht in den Westen zurück. Die jüngsten Wahlergebnisse aus Hessen, wo die AfD massiv zulegen konnte, belegen diesen Kreislauf eindrücklich.
Statt die Partei als Element des Auseinandertreibens zu interpretieren, könnte man sie als eine Kraft sehen, welche die innere Einheit Deutschlands auf ihrem Programm verstetigt und ausbaut. Warum? Weil sie die Sorgen der Bürger über die alten Grenzen von Ost und West hinweg bündelt.
Aus Schweizer Sicht ist dies ein Zeichen von Vitalität, wenn sich das politische Angebot vervielfältigt. Die Deutschen sollten eigentlich stolz darauf sein, dass ihre Demokratie fähig ist, ein solches Eigengewächs von unten nach oben hervorzubringen. Statt mit Brandmauer-Ideologien zu operieren, die am Ende nur den politischen Alltag blockieren, sollte man sich inhaltlich mit ihr auseinandersetzen.
