Berlin tritt den Vorwürfen aus Washington entgegen, wonach die EU den ungarischen Wahlkampf beeinflusst habe. Gleichzeitig dreht die Bundesregierung den Spiess um und verweist auf mögliche Einflussnahme der USA. «Wir weisen die Anschuldigung des US-Vizepräsidenten J. D. Vance bei einer Veranstaltung in Ungarn zurück», erklärte Regierungssprecher Sebastian Hille an einer Pressekonferenz gemäss Politico. «Ich möchte darauf hinweisen – da Vance sich über eine angebliche Einmischung der EU in die Wahl beschwert –, dass der US-Vizepräsident nur wenige Tage vor der Wahl in Ungarn war. Allein dieser Umstand spricht für sich, wer hier tatsächlich eingreift.»
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Auslöser ist ein Auftritt von Vance an der Seite von Ministerpräsident Viktor Orbán in Budapest, bei dem er Brüssel scharf angriff und der EU-Einflussnahme vorwarf. «Was in diesem Land geschehen ist, mitten in diesem Wahlkampf, gehört zu den schlimmsten Beispielen ausländischer Wahleinmischung, die ich je gesehen oder gelesen habe», sagte Vance. Zugleich kritisierte er «die Bürokraten in Brüssel», die Ungarn unter Druck setzten.
Die Bundesregierung weist für sich jede Einflussnahme entschieden zurück und bemüht sich um demonstrative Distanz zum ungarischen Urnengang. Bundeskanzler Friedrich Merz habe «keine Präferenz» hinsichtlich des Wahlausgangs und werde akzeptieren, wie die ungarischen Wählerinnen und Wähler entscheiden, sagte Hille.