Immer, wenn der Winter naht, schreibt das Branchenmagazin «Schweizer Journalist» die Titel der «Journalisten des Jahres» aus. Gekürt werden sie von Medienschaffenden und Mediensprecher, die kürzlich einen Link zur Onlinewahl erhielten.
Die Vorauswahl trifft aber eine Jury aus Journalisten und früheren Gewinnern. Dieses Gremium fand nun, Tristan Brenn, seit über zehn Jahren Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, habe sich würdig erwiesen, als Chef des Jahres vorgeschlagen zu werden.
Weshalb, das bleibt das Geheimnis der Jury. Brenn ist in erster Linie bekannt dafür, dass er für nichts bekannt ist. Im Unterschied zu Amtskollegen in anderen Ländern hält sich der Chefredaktor vornehm zurück, kommentiert nichts vor der Kamera und tritt auch sonst nicht sichtbar in Erscheinung.
Ausser dann, wenn SRF in der Kritik steht. Dann wirft sich Tristan Brenn in Pose und erklärt in den sozialen Medien, dass nichts daran stimme und alles ganz anders sei. Er fungiert also eher als Unternehmenssprecher oder «Verteidigungsminister» (Weltwoche) denn als Chefredaktor.
Seine Leistung erschöpft sich im Verhindern. SRF berichtete beispielsweise nicht über die Enthüllungen aus den sogenannten RKI-Files, die Verflechtungen zwischen Politik und Wissenschaft während Corona offenlegten.
Das sei in Deutschland passiert, das sei kein Fall für SRF, befand Brenn. Ein Nachbarland, über das sein Sender ansonsten praktisch täglich berichtet, und das über weit weniger dramatische Dinge. Folgerichtig wurde SRF von der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für die Auslassung gerügt.
Auf welcher Grundlage sich jemand entscheiden könnte, Tristan Brenn zum Chefredaktor des Jahres zu küren, bleibt rätselhaft. Denn selbst wer die journalistische Leistung von SRF für gut befindet: Er hat keinerlei Anhaltspunkte dafür, welchen Anteil Brenn daran hat.