SRF mischt sich hemmungslos in den Abstimmungskampf um die Halbierungsinitiative ein. Die selbsternannten Gralshüter der einzig wahren Wahrheit geben damit ihren Kritikern recht
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SRF mischt sich hemmungslos in den Abstimmungskampf um die Halbierungsinitiative ein. Die selbsternannten Gralshüter der einzig wahren Wahrheit geben damit ihren Kritikern recht

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SRF mischt sich hemmungslos in den Abstimmungskampf um die Halbierungsinitiative ein. Die selbsternannten Gralshüter der einzig wahren Wahrheit geben damit ihren Kritikern recht
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Wer über den herrlichen Winter spottet, welcher nicht zur Klimaapokalypse passt, muss sich warm anziehen: Nur Ignoranten verwechseln das Wetter mit dem Klima! Doch das ist Schnee von gestern. «SRF Meteo» reichert seine nicht immer so akkuraten Wetterprognosen seit geraumer Zeit mit apodiktischen Klimaprophezeiungen an. So auch am letzten Samstag.

© KEYSTONE / PETER KLAUNZER
KEYPIX - Bundesrat Albert Roesti erscheint auf Bildschirmen im Regieraum des SRF im Medienzentrum des Bundeshauses, waehrend einer Medienkonferenz zur Volksinitiative "200 Franken sind genug! (SRG-Initiative)", am Mittwoch, 21
© KEYSTONE / PETER KLAUNZER

Was Wettermann Luzian Schmassmann vor dem theologischen «Wort zum Sonntag» bot, ging indes noch einen Schritt weiter. Seine Belehrungen über «Klimaskeptiker» waren erklärtermassen Teil einer SRF-Kampagne unter dem Titel «Fakt oder Fake?». Ziel der Übung: Der Stimmbevölkerung soll vor Augen geführt werden, dass nur SRF die Nation von Lügen bewahren und auf den Pfad der einzig wahren Wahrheit führen kann. Die gute alte Prawda lässt grüssen.

Anhand von zwei Beispielen will Schmassmann die «Klimaskeptiker» als Botschafter einer gefährlichen Irrlehre entlarven. Erstens würde sie behaupten, dass die Agglomerationen um die meteorologischen Messstationen über die Jahrzehnte gewachsen seien, was die Daten verfälsche. Und zweitens würden sie die Folgen der Klimaerwärmung «verharmlosen», indem sie auf positive Effekte verwiesen.

Beides sei zwar nur halbwegs falsch, aber darum umso gefährlicher. «Die Wissenschaft» beweise aufgrund von Satellitenmessung und Eiskernbohrungen klar, dass sich das Klima erwärme und dass die Nachteile wegen der Zunahme von extremen Wetterlagen überwögen.

Vorweg: «Die Wissenschaft» gibt es nicht. Es gibt nur Wissenschaftler, die aufgrund ihrer Forschung zu unterschiedlichen Schlüssen gelangen, welche gegeneinander abgewogen werden. Jede Theorie ist nur so lange relevant, bis sie durch eine plausiblere widerlegt wird. Wissenschaft ist nie abschliessend, sie lebt vom Widerspruch, und wo es diesen Widerspruch nicht gibt, haben wir es mit einem Dogma zu tun, also mit Glauben. Und Religion hat in einer modernen Wetterprognose nichts verloren, dafür gibt es das «Wort zum Sonntag».

So ist die Behauptung, wonach Wetterextreme zugenommen hätten, auch unter Wissenschaftlern höchst umstritten. Dass es nach dem Ende der Kleinen Eiszeit (zirka 1860) wärmer geworden ist, bestreitet kaum jemand. Im Gegenteil. Die meisten «Klimaskeptiker» weisen darauf hin, dass das Klima seit Urzeiten ständigen Schwankungen unterworfen war, über deren Ursachen (Verschiebung der Erdachse, Sonnenaktivität, Vulkane, Meeresströmungen etc.) wir nur spekulieren können. Doch wie wollen wir das Kommende prognostizieren, wenn wir nicht einmal das Geschehene begreifen?

Die plumpe Einmischung von SRF in den Abstimmungskampf um die Halbierungsinitiative offenbart, was die Kritiker am halbamtlichen Rundfunk auszusetzen haben. Die Schweiz braucht kein Wahrheitsministerium, welches die Nation von falschen oder politisch inopportunen Informationen bewahrt. Im Gegenteil, eine Demokratie lebt von der Vielfalt von Quellen und Perspektiven, die es jedem Einzelnen ermöglichen, sich in einem offenen und immerwährenden Wettbewerb um das bessere Argument selbst ein Bild von der Wahrheit zu machen.

SRF ist offenkundig weder willens noch in der Lage, diesen Service public zu garantieren. 200 Franken sind nicht genug, es sind 200 Franken zu viel. Aber immerhin etwas weniger als 335 Franken.

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