Gehören Kopftücher in die Schulen oder nicht? Diese Frage sorgt für Zoff bei den Sozialdemokraten in St. Gallen. Ausgelöst hat ihn SP-Kantonsrat Bernhard Hauser, der es wagte, Kritik am muslimischen Kopftuch zu äussern.
In diesem sieht er ein Symbol, das «dem Grundverständnis offener Gesellschaften» widerspreche. Seine Meinung tat Hauser, ein ehemaliger Professor der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, jüngst in einem Gastbeitrag für das St. Galler Tagblatt kund.
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Jetzt ist die Hölle los bei den Jungsozialisten. Sie fordern den Parteiausschluss und Hausers sofortigen Rücktritt aus dem Kantonsrat. Der SP-Kantonsrat missbrauche sein Mandat, um «zu hetzen und Ressentiments zu schüren», finden die Juso-Spitzen in St. Gallen. Die Äusserungen des Politikers seien «antimuslimisch-rassistisch». Sein Kommentar lese sich wie ein «SVP-Communiqué», so der Vorwurf.
Hauser erachtet die Rücktrittsforderung als «realitätsfern». Von prominenten SP-Stimmen des Kantons erhält der ehemalige Professor Unterstützung. Monika Simmler, SP-Kantonsrätin und Vize-Fraktionspräsidentin, bezeichnet das Vorgehen der Juso gegenüber dem St. Galler Tagblatt als «überflüssig». Hauser selbst sagt, er habe von Parteikollegen viele positive Rückmeldungen auf seinen Kommentar erhalten.
Zu einem Rücktritt wird es kaum kommen. Die Militanz jedoch, mit der Juso-Mitglieder abweichende Stimmen bekämpfen, sagt viel über die Jungpartei aus. Eine offene Debatte über unbequeme Themen wird tunlichst vermieden. Wer eine andere Meinung hat, wird gleich zum Häretiker. Argumente zählen da nicht mehr.