Es gibt keine Idee, keine Theorie und kein noch so berechtigtes Anliegen, das nicht in eine radikale Ideologie verwandelt werden kann, bei der die Nebenwirkungen schon bald die positiven Wirkungen übersteigen, schreibt Frank Urbaniok, forensischer Psychiater und Gutachter, in der Umschau «Bücher des Jahres» der Weltwoche.
© KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Zunächst nehmen sich radikale Verfechter reiner Lehren der anfänglich gutgemeinten Sache an. Es folgen gelehrige Schüler und Trittbrettfahrer. So sind alle Zutaten für Ignoranz, himmelschreiende Ungerechtigkeit und Grausamkeiten beisammen. Den Eiferern gilt schon bald «der Zweck heiligt die Mittel» als Handlungsmaxime.
In seinem Buch zeigt Coleman Hughes eindrucksvoll, wie die berechtigten Anliegen, gegen Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen, zu einem totalitären Dogma verkommen und pervertiert werden können. Eine Pflichtlektüre, um die aktuelle politische Situation in den USA und einen wesentlichen Grund zu verstehen, warum Donald Trump ein zweites Mal gewählt wurde.
Coleman Hughes: Farbenblind. Plädoyer für eine Gesellschaft ohne Race-Politik. Edition Tiamat. 264 S. Fr. 39.90