Die Erwerbstätigenquote unter den ukrainischen Flüchtlingen beträgt in der Schweiz 46 Prozent. Damit wurde die Vorgabe von des zuständigen Bundesrats Beat Jans verpasst, wie der Blick am Donnerstag berichtete. Der Migrationsminister wollte, dass Ende 2025 die Hälfte jener Ukrainer, die sich bereits seit drei Jahren in der Schweiz aufhalten, erwerbstätig ist.
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Interessant sind dabei die Gründe, die der Bund für die Arbeitslosigkeit aufführt. So seien die Einstiegshürden in den Schweizer Arbeitsmarkt hoch, weil dieser «teilweise hochspezialisiert» sei, sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Migration SEM. Ein weiterer Grund, der die Ukrainer vom Arbeiten abhalte, sei die Sprache.
Da Englisch im Arbeitsmarkt «nicht sehr verbreitet» sei, müssten die Flüchtlinge zuerst eine Landessprache lernen. Wie das wohl die Portugiesen, Italiener, Serben, Albaner, Polen, etc. im Baugewerbe oder in der Gastronomie sowie die vielen Expats in der Pharmaindustrie oder im Gesundheitswesen hinkriegen?
Was man sich beim SEM offensichtlich nicht fragt: Könnte die tiefe Erwerbsquote mit den falschen Anreizen zu tun haben? Mit dem Schutzstatus S haben ukrainische Flüchtlinge in der Schweiz zwar direkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Sie haben mit dem S-Status aber auch direkten Zugang zur Sozialhilfe. Mehr als die Hälfte entscheidet sich für den zweiten, einfacheren Weg. Kann man es ihnen verübeln?